Berenberg – Was hinter Riehmers Ausstieg aus dem Gesellschafterkreis steckt
Erstaunlich schnell ging der Ausstieg Hendrik Riehmer aus dem Gesellschafterkreis von Berenberg über die Bühne. Der ehemals starke Mann an der Spitze der Privatbank stand nach PLATOW-Informationen unter Druck.

Eine Überraschung war der jüngst erfolgte Rückzug von Hendrik Riehmer aus dem Gesellschafterkreis von Berenberg nicht. Nach Riehmers von der Bafin erzwungener Absetzung und den Ungereimtheiten in der Bilanz 2025 war die endgültige Trennung vom einstigen starken Mann an der Berenberg-Spitze wohl unvermeidlich. Erstaunlich ist jedoch die Geschwindigkeit, mit der Riehmer aus dem Eigentümerkreis herausgedrängt wurde.
Nach PLATOW-Informationen soll Riehmer jedoch unter Druck gestanden haben, den von der Bafin monierten Organkredit möglichst schnell zurückzuzahlen. Über das Volumen des Organkredits, den Riehmer zu unerlaubten Sonderkonditionen erhalten haben soll, schweigt sich die Hamburger Privatbank bislang eisern aus. Es soll sich jedoch um eine erhebliche Summe handeln. Sonst hätte das Darlehen auch kaum einen solchen Wirbel verursacht. Mit dem Verkauf seines über die Beteiligungsgesellschaft PetRie gehaltenen Berenberg-Anteils von knapp 11% könne Riehmer nun den umstrittenen Organkredit ablösen.
Peters zieht die Strippen
Um ein lästiges und zeitraubendes Inhaberkontrollverfahren zu vermeiden, das bei einer Beteiligung von 10% fällig wäre, übernimmt die Hamburger Reederei Döhle Gruppe 9,98% der bislang von Riehmer gehaltenen Berenberg-Anteile. Dabei handelt es sich um eine stille Finanzbeteiligung ohne Einblick in das Kundengeschäft. Die restlichen knapp 1% werden von der Familie von Berenberg übernommen, die bei einem Ausscheiden von Partnern über ein Vorkaufsrecht verfügen soll und damit ihren Anteil auf 31,86% ausbaut.
Eingefädelt hat den Deal mit Döhle offensichtlich der als Bafin-Sonderbeauftragter an die Berenberg-Spitze zurückgekehrte Hans-Walter Peters, der über beste Kontakte in die Hamburger Reederei-Branche verfügt. Jedenfalls lobte Peters die Döhle-Gruppe als „hanseatisches Schifffahrts- und Kaufmannshaus im besten Sinne“ und freute sich, einen solchen Partner im Gesellschafterkreis von Berenberg zu haben. Die PetRie und Peters, der auch Geschäftsführer der PetRie ist, sind mit 21,41% zweitgrößter Anteilseigner der Hamburger Privatbank.
Auch Mortlock und Kühn könnten bald ausscheiden
Riehmers Ausscheiden dürfte nicht die letzte Veränderung im Gesellschafterkreis von Berenberg gewesen sein. Denn auch die beiden anderen ehemaligen persönlich haftenden Gesellschafter, David Mortlock und Christian Kühn, wurden von der Bafin abgesetzt und waren in die Genehmigung des Organkredits involviert. Zusammen mit weiteren ehemaligen persönlich haftenden Gesellschaftern halten Mortlock und Kühn noch 6,83% an Berenberg.
Die Bereinigung des Gesellschafterkreises gilt denn auch als wichtige Etappe für die geplante Änderung der Rechtsform der Privatbank, an der Peters zusammen mit versierten Fachjuristen arbeitet. Im Gespräch ist eine Umwandlung der bisherigen Kommanditgesellschaft (KG) in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) oder eine Aktiengesellschaft (AG) mit einem Aufsichtsrat, der über die Besetzung der operativen Führung der Bank bestimmt. Mit der Entscheidung über die künftige Rechtsform dürfte auch Bewegung in die Neubesetzung der obersten Führungsebene von Berenberg kommen. Gespräche mit potenziellen Kandidaten sollen bereits laufen.