Commerzbank – Orcel hält sich alle Optionen offen
Mit einer Demonstration der Stärke hat Unicredit-Chef Andrea Orcel sein Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt. Als Gewinner sieht sich Orcel aber schon jetzt.

Wie angekündigt, hat Unicredit-Chef Andrea Orcel am Dienstag die Annahmefrist für sein Übernahmeangebot für die Commerzbank gestartet. Die Frist läuft bis zum 16. Juni (24 Uhr) und kann um weitere zwei Wochen bis zum 3. Juli verlängert werden. Damit hält sich Orcel weiterhin die Tür für die von uns kürzlich beschriebenen Optionen offen, darunter auch eine allerdings wenig wahrscheinliche Angebotsaufbesserung.
Die nun offiziell vorgelegte Offerte entspricht exakt den Mitte März angekündigten Konditionen (0,485 Unicredit-Aktien für eine Commerzbank-Aktie). Kurz zuvor ließ Orcel mit beeindruckenden Quartalszahlen noch einmal die Muskeln spielen. Das beste Quartal aller Zeiten und Rekorde in allen wichtigen Geschäftsbereichen, feierte Orcel die Unicredit-Ergebnisse für das erste Quartal.
Der Nettogewinn stieg um beachtliche 16,1% auf 3,2 Mrd. Euro. Dabei wuchsen die Erträge um 4,9% auf 6,87 Mrd. Euro, während die Kosten um 1,1% auf knapp 2,3 Mrd. Euro sanken. Damit verbesserte sich die ohnehin starke Cost-Income-Ratio um 2 Prozentpunkte auf 33,4% und die Eigenkapitalrendite stieg um 2,7 Prozentpunkte auf 25,8%. Die deutsche Tochter HVB, die Orcel als Spiegelbild der Commerzbank sieht, konnte ihre Kosten sogar um 5,3% senken und damit ihre Cost-Income-Ratio um 2,8 Prozentpunkte auf 34,7% drücken, was in Frankfurt sicher aufmerksam registriert wurde.
Orlopps Antwort kommt am Freitag
Die Commerzbank hat nun rund zwei Wochen Zeit, um ihre offizielle Stellungnahme zu der Übernahmeofferte der Italiener abzugeben. Dabei macht es ihr Orcel allerdings denkbar leicht, das Angebot als unattraktiv abzulehnen. Auf Basis der Schlusskurse vom Montag errechnet sich ein Angebotspreis von rund 31,07 Euro je Commerzbank-Aktie. Das entspricht einem Abschlag von 8,7% gegenüber dem Montags-Schlusskurs der Commerzbank-Aktie.
Am Freitag (8.5.) präsentiert Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp ihre Quartalszahlen und ein Update ihrer Strategie. Zudem will sie ausführlich auf Orcels Präsentation von vor zwei Wochen antworten, in der der Unicredit-Lenker kaum ein gutes Haar an der Commerzbank und ihrer Strategie ließ. Am Dienstag klang Orcel, wohlgemerkt aus dem Blickwinkel des Investors, aber schon wieder anders. Egal, ob das Übernahmeangebot zur Kontrolle über die Commerzbank führt oder eben nicht, die Italiener würden in jedem Fall als Gewinner aus dem Spiel hervorgehen, gab sich Orcel zuversichtlich.
Schlechte Commerzbank, gute Commerzbank
Dabei verwies er auf rund 350 Mio. Euro an Erträgen sowie weitere 100 Mio. Euro aus Absicherungsgeschäften, die seine Beteiligungen an der Commerzbank und der griechischen Alpha Bank im ersten Quartal eingespielt haben. Auch bei seinen Erzählungen über die Commerzbank zeigt sich Orcel also weiterhin als äußerst flexibel, so wie es ihm am besten in den Kram passt.