Erstmals seit 2019 treffen sich die Deutsche Bank-Aktionäre am Donnerstag (28.5.) wieder in Präsenz zur Hauptversammlung in der Frankfurter Messehalle 11. Dass die Deutsche Bank ausgerechnet in diesem Jahr zu einer vor Ort-HV einlädt, in den kommenden drei Jahren soll sie wieder rein virtuell abgehalten werden, dürfte indes nicht nur an dem „Wunsch einiger Aktionäre“, einen „physischen Dialog“ zu ermöglichen, liegen, wie es offiziell heißt.

Weshalb die Laune der Aktionäre nicht ganz ungetrübt ist

Da Vorstandschef Christian Sewing entgegen manchen Unkenrufen der Analysten im vergangenen Jahr sein Renditeziel von 10% souverän erreicht hat und auch für das erste Quartal 2026 starke Zahlen vorlegen konnte, darf die Deutsche Bank auf eine weitgehend entspannte Stimmung bei dem Aktionärstreffen hoffen. Ganz ungetrübt wird die Laune der Aktionäre aber nicht sein. Denn seit Jahresanfang liegt der Aktienkurs mit rund 12% im Minus.

Auf ein Thema, das sicher auch viele Deutsche Bank-Aktionäre brennend interessieren dürfte, wird Sewing in seinem vorab verbreiteten Eingangsstatement aber mit keinem Wort eingehen. Sollte sich Unicredit über kurz oder lang tatsächlich die Commerzbank einverleiben und mit der HVB verschmelzen, würde es die Deutsche Bank direkt vor ihrer Haustür mit einem mächtigen Konkurrenten zu tuen bekommen, der ihr im deutschen Privat- und Firmenkundengeschäft locker das Wasser reichen könnte. Als Sewing auf der Morgan Stanley-Kapitalmarktkonferenz im März in London darauf angesprochen wurde, wiegelte er einmal mehr ab.

Kein Wort zu Unicredit und Commerzbank

Doch ganz so kalt, wie Sewing vorgibt, lassen ihn die Unicredit-Aktivitäten in Sachen Commerzbank keineswegs. Ließ Sewing doch immerhin durchblicken, dass die Deutsche Bank insbesondere in ihrem Heimatmarkt ein solches Szenario sehr wohl im Blick habe, um davon zu profitieren und Kunden zu gewinnen, die sich nach einer möglichen Übernahme der Commerzbank nach einer neuen Bankverbindung umsehen. Viel mehr kann Sewing derzeit allerdings auch kaum machen.

Für ein (überteuertes) Gegengebot ist es angesichts der von den Italienern bereits unter ihre Kontrolle gebrachten Commerzbank-Anteile ohnehin schon zu spät. Auch würden die Deutsche Bank-Investoren Sewing das wohl kaum erlauben. Sollte Unicredit-Chef Anderea Orcel jedoch mit seinen Übernahmeplänen scheitern und sich zurückziehen, worauf derzeit allerdings wenig hindeutet, dürfte aus Berlin der Druck auf Sewing massiv steigen, sich mit Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp an einen Tisch zu setzen. Das ist jedoch bestenfalls Zukunftsmusik.

Zweifel an Sewings Renditeziel

Sewing wird sich deshalb voll darauf konzentrieren, sein noch immer vorhandenes Glaubwürdigkeitsdefizit bei den Investoren und Analysten weiter abzubauen. Zuletzt sind die Zweifel sogar noch gestiegen, dass Sewing sein neues Renditeziel von mindestens 13% tatsächlich erreichen kann. Bei seinem Wachstumskurs, der die Erträge bis 2028 um 5 Mrd. Euro auf rund 37 Mrd. Euro hochschraube soll, setzt der Deutsche Bank-Lenker vor allem auf den deutschen Heimatmarkt. Ein Großteil der zusätzlichen Erträge (2 Mrd. Euro) soll dabei aus Deutschland kommen. Die deutsche Wirtschaft leidet jedoch besonders stark unter dem Iran-Konflikt und den drastisch gestiegenen Energiepreisen. „Wir haben geliefert – aus eigener Kraft, mit Substanz und Disziplin. Und wir sind auf dem Weg nach oben“, lautet deshalb Sewings Kernbotschaft an die Aktionäre.

Bei seiner neuen Strategie hatte Sewing tunlichst darauf geachtet, ausreichend Puffer einzubauen und seine Ziele nicht abermals auf Kante zu nähen, damit sie bei Gegenwind nicht gleich zu wackeln beginnen. Offensichtlich hat die Deutsche Bank aus der überraschenden Milliarden-Rückstellung für die Klage ehemaliger Postbank-Aktionäre gelernt, die sie 2024 fast aus der Kurve getragen hatte. In seiner HV-Rede betont Sewing, die Deutsche Bank sei dank ihres „ausgewogenen und diversifizierten Geschäftsmodells gut gerüstet“ und habe im ersten Quartal „bewusst etwas mehr Puffer“ durch zusätzliche Risikovorsorge geschaffen.