Mittagessen zahlen mit dem digitalen Euro – das soll schon bald möglich sein. Zumindest in der Frankfurter EZB-Kantine und bei anderen ausgewählten Restaurants oder Onlineshops, die sich für den Test bereit erklären. Ab der zweiten Jahreshälfte 2027 startet dafür ein großer Pilotversuch, der ein Jahr laufen soll. Zum Einsatz kommt dabei eine Beta-Version. Das ist eine Vorabversion des digitalen Euro, die technisch und funktional möglichst nah am späteren Zahlungsmittel liegen soll. Rechtlich ist sie aber noch kein digitaler Euro. Mitmachen werden zunächst Beschäftigte der EZB und der teilnehmenden nationalen Zentralbanken, wie der Bundesbank. Sie sollen mit dem digitalen Euro Geld untereinander verschicken und bei ausgewählten Händlern bezahlen können, an der Kasse ebenso wie online.

Mehr Unabhängigkeit von den US-Kartenriesen

Mit dem digitalen Euro will die EZB eine europäische Antwort auf Visa, Mastercard und PayPal schaffen. Ohne eigene Lösung, warnt sie, drohe Europa die Kontrolle über einen zentralen Teil seines Zahlungsverkehrs zu verlieren.

36 Banken und Zahlungsdienstleister aus 19 der 21 Eurostaaten bereiten das mit vor, darunter fünf aus Deutschland: DZ Bank, Deutsche Bank, Helaba sowie die beiden Zahlungsdienstleister Payone (gehört den Sparkassen) und RS2 Financial Services. Unter den weiteren Instituten sind zum Beispiel Revolut, Unicredit, Banca Monte dei Paschi und die Zahlungsdienstleister Stripe und SumUp.

Ausgewählt hat die EZB die Institute aus mehr als 50 Häusern. Bewerber mussten grundlegende Zulassungskriterien erfüllen, etwa eine gültige Lizenz als Zahlungsdienstleister. Zudem ging es der EZB darum, eine breite Mischung zusammenzustellen, also Banken und Nicht-Banken, kleine und große Anbieter sowie eine gute Streuung über die gesamte Eurozone. Offen ist noch, welche Händler beim Pilotprojekt konkret mitmachen. Dafür will die EZB nach dem Sommer einen eigenen Aufruf starten, mit Schwerpunkt auf Onlinehandel.

Pikant: Deutsche Bank und DZ Bank kritisieren den digitalen Euro seit Jahren scharf. Im vergangenen Jahr warnten sie gemeinsam mit anderen europäischen Großbanken, das Projekt könnte teuer werden, seine Ziele verfehlen und bestehenden privaten Zahlungslösungen wie Wero schaden.

Europas Gesetzgeber sind gefordert

Beim digitalen Euro tut sich gerade viel. Erst vor wenigen Tagen stimmte das EU-Parlament nach jahrelangem Ringen für das Projekt. Damit können nun die Verhandlungen mit der EU-Kommission und den Mitgliedstaaten über strittige Punkte beginnen. Für die Banken heißt das: Der digitale Euro kommt näher. Und die EZB hat mehrfach betont, dass die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt direkt in die weitere Entwicklung einfließen sollen.

Die vollständige Einführung plant die EZB für 2029. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die europäischen Gesetzgeber den nötigen Regeln zustimmen. Bislang dürfen Notenbanken in Europa nur Scheine und Münzen ausgeben. Der digitale Euro braucht also erst noch ein eigenes Gesetz, bevor aus dem Pilotprojekt ein echtes Zahlungsmittel werden kann.

Bank/ZahlungsdienstleisterLand
Deutsche BankDeutschland
DZ BankDeutschland
Landesbank Hessen-ThüringenDeutschland
PAYONEDeutschland
RS2 Financial ServicesDeutschland
AdyenNiederlande
Banca Monte dei Paschi di SienaItalien
Banca SellaItalien
Banco Comercial PortuguêsPortugal
Bank of CyprusZypern
BAWAG P.S.K.Österreich
BPCEFrankreich
Caixa Geral de DepósitosPortugal
CECABANKSpanien
Cooperative Bank of ChaniaGriechenland
Corvus PayKroatien
IsybankItalien
JCC Payment SystemsZypern
National Bank of GreeceGriechenland
Nexi PaymentsItalien
Nova Ljubljanska bankaSlowenien
NumiaItalien
OP Retail CustomersFinnland
Piraeus BankGriechenland
Poste ItalianeItalien
Raiffeisen Bank InternationalÖsterreich
Raiffeisenbank AustriaKroatien
Revolut BankLitauen
Satispay EuropaLuxemburg
Stripe Technology EuropaIrland
SumUpIrland
Tatra bankaSlowakei
UniCreditItalien
UnicrePortugal
Uinku PaymentsSpanien
Worldline Financial Services (Europa)Luxemburg