Finanzplatz-Ranking – Warum Frankfurt brutal abgestürzt ist
Im aktuellen Finanzplatz-Ranking ist Frankfurt von Platz 15 auf Rang 29 abgeschmiert. Auch Paris flog aus den Top 20, konnte sich aber vor die Mainmetropole schieben. Das sind die Gründe.

Böse Klatsche für Frankfurt im aktuellen Finanzplatz-Ranking der Z/Yen Group. Um 14 Plätze ist die Mainmetropole auf Rang 29 abgestürzt und damit aus den Top 20 des Global Financial Centres-Index herausgeflogen. Besonders bitter: Erzrivale Paris rutschte zwar ebenfalls aus den Top 20, zog aber auf Platz 23 an Frankfurt vorbei. Ebenfalls vor Frankfurt platzieren konnten sich die EU-Finanzplätze Luxemburg (Rang 17), Kopenhagen (25) und Amsterdam (26). Damit ist das für seine effektive Lobbyarbeit bekannte Luxemburg der einzige EU-Finanzplatz, der es in die Top 20 geschafft hat.
Auf den ersten vier Plätzen rangieren unverändert New York, London, Hongkong und Singapur, gefolgt von Shanghai, das sich um einen Platz auf Rang 5 verbessern konnte. Sehr erstaunlich sind die guten Platzierungen der beiden Finanzzentren Dubai (Platz 9) und Abu Dhabi (13) aus der vom Iran-Konflikt gebeutelten Golf-Region. Dabei konnte sich die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate sogar noch um acht Plätze verbessern, während Dubai lediglich zwei Ränge einbüßte.
EU-Malus
Frankfurt Main Finance-Geschäftsführer Hubertus Väth beobachtet bereits seit geraumer Zeit ein wachsendes Gefälle zwischen den prosperierenden Finanzplätzen in den USA und Asien einerseits und der als besonders bürokratisch geltenden Europäischen Union andererseits. Unter diesem EU-Malus leidet auch Frankfurt. Das dürfte zumindest teilweise auch die deutlich bessere Platzierung der Schweizer Finanzplätze Zürich, das in die Top 10 aufstieg, Genf, das sich um sechs Plätze auf Rang 12 verbesserte, und Lugano (21) erklären.
Neben dem EU-Effekt sieht Väth, der Einblick in die Rohdaten des Rankings nehmen konnte, noch drei spezifisch deutsche und lokale Probleme, die zum Abstieg Frankfurts geführt haben. 1. Deutschland büße zunehmend seine einstigen Stärken wie politische Stabilität und eine zuverlässige Infrastruktur ein. Die drastischen Verspätungen der Deutschen Bahn seien da nur die Spitze des Eisbergs, so Väth im Gespräch mit PLATOW. Die deutsche Infrastruktur werde international nicht mehr als sehr gut wahrgenommen.
Frankfurt hat an Anziehungskraft verloren
2. Die Attraktivität Frankfurts für Talente aus dem Ausland habe arg gelitten. Die Erteilung von Arbeits- und Aufenthaltserlaubnissen sei viel zu bürokratisch. Amsterdam, Paris und Kopenhagen hätten ihre Antragsprozesse hingegen entschlackt und damit ihre Anziehungskraft für hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland deutlich gesteigert, so Väth. Frankfurt Main Finance habe die Politik bereits mehrfach auf dieses Problem hingewiesen. Geschehen sei aber bislang nur wenig. Auch steuerlich sei Frankfurt für gutbezahlte Fachkräfte aus der Finanzindustrie kein attraktives Pflaster, während Luxemburg und Paris mit Steueranreizen locken.
3. Frankfurts Image im In- und Ausland habe Schrammen bekommen. Insbesondere das negative Erscheinungsbild rund um den Hauptbahnhof, dem Tor zur Innenstadt und dem Bankenviertel, sei nicht nur in Frankfurt ein Ärgernis, sondern sorge auch im Ausland für Diskussionen.