Helaba bekommt mit Wiedemeier einen heimlichen Kronprinzen
Helaba-CFO Ingo Wiedemeier wird zum Vize-Vorstandschef befördert. Der Posten gilt als Sprungbrett für höchste Weihen. Vorstandschef Thomas Groß zeigt bislang aber keine Anzeichen von Amtsmüdigkeit.

Das ging schnell. Der Helaba-Verwaltungsrat hat den erst seit April in den Vorstand aufgestiegenen CFO Ingo Wiedemeier (55) mit Wirkung zum 1. August zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden bestellt. Wiedemeier war allerdings auch schon vor seinem Aufstieg in den Helaba-Vorstand im Hause bestens bekannt, als Vorstandschef der konzerneigenen Frankfurter Sparkasse. Mit dieser Vita und seiner jetzigen Ernennung zum Vize von Vorstandschef Thomas Groß verfügt Wiedemeier über das ideale Profil, um sich zukünftig auch für höchste Weihen zu empfehlen.
Offiziell begründet die Helaba Wiedemeiers Beförderung mit der erfolgten Erweiterung des Vorstands von sechs auf sieben Köpfe. In der Vergangenheit hat die Helaba den Vize-Posten jedoch meist mit der Absicht besetzt, um einen Nachfolger für die Vorstandsspitze aufzubauen. So wurde auch Groß 2015 erst zum Vize ernannt, bevor er im Juni 2020 zum Vorstandschef avancierte. Seither ist der Vize-Posten vakant, den die Helaba ohnehin nur sporadisch vergibt, obwohl die Satzung sogar „mehrere stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes“ erlaubt.
Groß noch voller Tatendrang
Als Sprungbrett für den Vorstandsvorsitz nutzte auch Groß‘ Vor-Vorgänger Hans-Dieter Brenner den Vize-Posten. Brenner wurde 2006 zum Vize berufen und übernahm im Oktober 2008 den Chefposten. Als Kronprinz galt auch der damalige Vize-Chef und Immobilienvorstand Johann Berger, dessen Vertrag 2012 überraschend jedoch nicht verlängert wurde. Eine Ausnahme war Heinz Riener, der allerdings schon Anfang 60 war, als er 2002 zum Vize berufen wurde und sich im April 2006 planmäßig in den Ruhestand verabschiedete.
Der Vertrag von Groß (60) läuft noch bis Oktober 2027. Anzeichen von Amtsmüdigkeit sind bislang nicht erkennbar. Im Gegenteil: Erst im November ließ sich Groß zum VÖB-Präsidenten wählen. Ein Ehrenamt, das ihm sichtlich Freude bereitet. Da die Amtszeit beim VÖB drei Jahre beträgt, dürfte Groß bei der Helaba eine weitere Vertragsverlängerung anstreben. In der Vergangenheit hatten einige Helaba-Chefs jedoch eine Ausstiegsklausel in ihren Verträgen. 2015 verabschiedete sich Brenner trotz laufenden Vertrags vorzeitig mit 63 Jahren von der Spitze der Frankfurter Landesbank. Sein Vorgänger Günther Merl verließ seinen Posten sogar mit 62 Jahren, fast drei Jahre vor Ablauf seines Vertrags.