Zentralbanken

Der stille Kampf um die EZB-Spitze

Noch halten sich viele Anwärter bedeckt, doch 2026 fällt eine wichtige Vorentscheidung. Warum die Wahl von Lagardes neuem Stellvertreter auch für ihre Nachfolge wichtig ist.

Jan Mallien,
Die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main bei sonnigem Wetter
Die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main bei sonnigem Wetter © AdobeStock

Im Rennen um die EZB-Spitze gilt eine einfache Regel: Wer zu viel redet, schwächt sich selbst. Viele Kandidaten werden sich daher 2026 möglichst lange bedeckt halten, wenn es um die Nachfolge von Christine Lagarde geht. Gleichzeitig wird im EZB-Umfeld über kaum ein anderes Thema so lebhaft diskutiert.

Besondere Signalwirkung hat die Entscheidung über Lagardes Stellvertreter, die im Mai ansteht. Als aussichtsreichster Kandidat gilt der finnische Notenbankchef Olli Rehn, doch auch mehrere andere Bewerberinnen und Bewerber haben ihr Interesse bekundet.

Rechtliche Hürden für Isabel Schnabel

Für die Zusammensetzung des Führungsgremiums spielen zahlreiche ungeschriebene Kriterien eine Rolle: Kleines oder großes Land, Mann oder Frau, Nord oder Süd, geldpolitischer Falke oder Taube – all das beeinflusst die Entscheidung. Kommt Rehn im Mai zum Zuge, sinken die Chancen für andere Kandidaten mit ähnlichem Profil für die Lagarde-Nachfolge – zumindest ein bisschen.

Aus Deutschland haben bereits zwei Bewerber Interesse am EZB-Spitzenposten bekundet: Bundesbank-Präsident Joachim Nagel und EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel wollen beide in das Büro im 40. Stock der EZB-Zentrale. Bei der internen Vorauswahl könnte 2026 eine Entscheidung fallen.

Schnabel hat einen Nachteil: Rechtlich ist offen, ob sie überhaupt für den Posten kandidieren darf, da sie bereits dem EZB-Führungsgremium angehört. Lagarde kündigte auf ihrer Pressekonferenz im Dezember an, dass die Notenbank die Rechtslage dazu erneut prüfen lässt.

 

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