Im Schlussbericht des Expo Real-Managements werden 1.777 Aussteller aus 37 Ländern (2025: 1.742 Aussteller aus 34 Ländern) und über 42.000 Teilnehmer aus 74 Ländern, etwas mehr als im Vorjahr, genannt. Auf 76.000 qm standen die Themen Wohnungsbau, Finanzierung und investierbare Infrastruktur im Mittelpunkt. Infrastrukturinvestitionen bildeten erstmals einen eigenen Schwerpunkt. PLATOW ist bei investierbarer Infrastruktur allerdings sowohl aus volkswirtschaftlicher Sicht als auch in der Akquisition spürbarer Marktanteile skeptisch. Messe München-Geschäftsführer Stefan Rummel ist naturgemäß optimistisch. Während viele Projekte in Deutschland unter erheblichem Druck stünden und die strukturellen Herausforderungen weiter ungelöst seien, gebe es von internationalen Märkten und Partnern ermutigende Signale. Mit „InfrastructureNow“ habe die Expo Real die zunehmende Verbindung von Immobilien und Infrastruktur aufgegriffen. Laut Michael Henn, Global Head of Infrastructure Investments bei Commerz Real, entwickelt sich  Infrastruktur von einer eigenständigen Assetklasse zu einem integralen Bestandteil moderner Real-Asset-Strategien.

Bundesbauministerin Verena Hubertz betonte bei ihrem Besuch so politisch und inhaltlich leer, wie es KI nicht hätte besser formulieren können: „Die Expo Real ist ein Marktplatz, auf dem alle Gewerke zusammenkommen. Und das brauchen wir dringender denn je. Denn die einfachen Lösungen gibt es nicht. Und deswegen ist die Expo Real für mich ein Ort, wo Menschen zusammenkommen, die etwas bewegen wollen und vielleicht auch mit anderen Antworten nach Hause gehen als sie gekommen sind.“ Was die drei Messetage besonders macht, bringt Ulrich von Creytz, CIO Real Estate bei der DWS, auf den Punkt: „Für mich sind die Tage auf der Expo Real die schönsten Tage des Jahres – zumindest beruflich.“ Das dürfte nicht nur für den Investment Officer der gebeutelten DWS so sein. Wie weitere Kommentare und Recherchen deutlich machen, stehen der Branche noch drei bis fünf harte Jahre bevor.

Noch weit entfernt von nachhaltiger Erholung

Aus PLATOW-Sicht mit 40 Jahren Erfahrung aus einer Reihe von Krisen dauert nach dem langen und irrealen Niedrigzins-Hype die Korrektur diesmal automatisch ohnehin länger. Dazu kam das Pech der geopolitischen Verwerfungen und der in Deutschland verschlafenen Notwendigkeit zu Infrastrukturinvestitionen und Strukturreformen in einem veränderten internationalen Wettbewerbsumfeld. Dennoch entsprechen weder Stimmung noch Zahlen derzeit dem immobilienwirtschaftlichen Grundrauschen einer nach wie vor reichen 80 Millionen-Einwohner-Volkswirtschaft. Die Frage ist nur, ob die Rückkehr des Marktes sofort wieder in einen Hype mündet.

PLATOW hat im Background einige Statements eingeholt. Der traditionelle Berufsoptimist Eckhard Brockhoff kann die optimistischen Aussagen der Messeleitung zur Zunahme der Aussteller nicht nachvollziehen. Überall in den Hallen wurden ehemalige Standflächen zu Loungebereichen umgebaut. Insbesondere Projektentwickler fehlten in diesem Jahr als Aussteller. Viele (internationale) Investoren berichteten über die abschreckende Wirkung der Berliner Enteignungs-Diskussionen. In bald 40 Jahren Immobilienwirtschaft hat Brockhoff noch nie an einer Veranstaltung in einem solch schwierigen Umfeld teilgenommen. Letzteres deckt sich auch mit den PLATOW-Erfahrungen aus 28 Jahren Expo Real – nur wir hatten das mit Blick auf Zinswende und Büro schon 2022 erwartet. Thomas Beyerle sieht ebenfalls die deutschen Immobilienmärkte von einer nachhaltigen Erholung noch weit entfernt. Trotz punktuell stabilisierten Rahmenbedingungen würden hohe Finanzierungskosten, strukturelle Bewertungsrisiken und eine weiterhin stagnative Transaktionsdynamik die Trendwende bremsen. Es drohe weiterhin eine langwierige Bodenbildung, bei der insbesondere schwächere Lagen und Objekte mit hohem Investitionsbedarf weiter unter Druck geraten.

Jörg Kemna, Geschäftsführer der Business Metropole Ruhr, ist demgegenüber positiv: „Konkretere, bessere und mehr Gespräche als im vergangenen Jahr sind der Beleg zunehmender Zuversicht – allerdings ganz klar auf der Basis einer weiterhin herausfordernden Lage und der Stagnation der vergangenen Jahre.“ Die Vielzahl der allgemein veröffentlichten Zitate bestätigt die Notwendigkeit des persönlichen Austausches und die besondere Bedeutung der Messe als Stimmungsbild und auch als Treffpunkt für geschäftliche Kontakte.