Hospiz am Arlberg: One Group schon wieder im Zahlungsverzug
One Group-Anleger müssen wieder einmal um ihre Millionen bangen. Die Staatsanwaltschaft Graz hat währenddessen die Ermittlungen rund um Soravia und das Hospiz am Arlberg eingestellt. Was dahinter steckt.

Es ist schon wieder was passiert. Soravia und ihre Tochter One Group haben Anleger erneut enttäuscht. Zumindest geht es am grauen Kapitalmarkt weniger makaber zu als in den Brenner-Romanen. Dafür ist es Realität. Anlegergelder, die die Hamburger One Group eingesammelt hat, stecken in einem Projekt des österreichischen Projektentwicklers Soravia. Länger als vorgesehen. Wenigstens ist ausnahmsweise bekannt, in welcher Immobilie: im Hospiz am Arlberg, einem Tiroler Traditionshotel. Das ist aber nur ein schwacher Trost.
Eigentlich sollten die ersten Unterzeichner der nachrangigen Namensschuldverschreibung „Proreal Club Deal 2 – Hospiz am Arlberg“ am 30. Juni ausgezahlt werden. Die Laufzeit ihrer Schuldverschreibung war nach 2,5 Jahren abgelaufen. Versprochen wurde den Anlegern, dass sie ihr eingesetztes Nominalkapital plus den Festzins von 8% per annum zurückerhalten.
PLATOW erfährt von Zahlungsverzug
Ob die Gelder jemals wieder zurückfließen, ist fraglich. Denn wie PLATOW jetzt auf Anfrage erfuhr, müssen sich die Anleger gedulden. Auszahlungen seien voraussichtlich erst nach Abschluss des Hotelprojekts möglich, und das sei vor dem zweiten Halbjahr 2027 nicht zu erwarten. Laut Soravia soll das Hospiz am Arlberg sogar erst „bis 2028/2029 fertiggestellt sein“.
Insgesamt stecken 44 Mio. Euro Investorengelder in dem Hotelprojekt. 11 Mio. davon in der teilweise fälligen Schuldverschreibung Proreal Club Deal 2 – Hospiz am Arlberg, wie uns Soravia vor wenigen Wochen mitteilte. Welcher Anteil der Anlegergelder letzte Woche planmäßig ausgezahlt werden sollte, wollte die verantwortliche Tochter, die One Group, jedoch bis heute nicht verraten, trotz mehrfacher Nachfrage.
Auf den Proreal Club Deal 2 aufmerksam gemacht haben uns die Ermittlungen der Grazer Staatsanwaltschaft rund um das Tiroler Hotelprojekt. Soravia soll Gelder aus ihren Tochterunternehmen, die das „Hospiz am Arlberg“ betrieben, an andere Töchter verschoben haben. Darunter auch Investorengelder, die laut Vertrag in das Hotelprojekt fließen sollten.
Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren Mitte Juni wieder ein: „Ein Täuschungsvorsatz konnte nicht mit der für das Strafverfahren erforderlichen Sicherheit festgestellt werden“, schreibt uns die Behörde auf Anfrage. Kleiner Hoffnungsschimmer für alle betroffenen Investoren: „Die Frist für die Einbringung eines Fortführungsantrages ist noch offen.“ Die Einstellung ist also noch nicht rechtskräftig.
Geschäftsführer der Schuldverschreibung bereits im Visier der Ermittler
Die One Group war „bislang nicht Gegenstand der Ermittlungen“, teilt uns die Staatsanwaltschaft Graz mit. Und auch „ein Rechtshilfeverkehr mit den deutschen Behörden fand nicht statt.“ Dieser hätte aber vielleicht neue Erkenntnisse gebracht.
Unter anderem deshalb, weil die Staatsanwaltschaft Frankfurt PLATOW-Informationen zufolge bereits gegen den Geschäftsführer der Proreal Club Deal 2 GmbH, Joachim Winter, ermittelt. Also den Emittenten der Schuldverschreibung, deren Gelder im Hotelprojekt stecken. Allerdings in einem anderen Fall. Im Frankfurter Verfahren geht es um das suspekte Insolvenz-Manöver der Zwischenfinanzierungsgesellschaft SCF4, einer weiteren Soravia-Tochter.
Dazu, ob auch das Hospiz am Arlberg Gegenstand von Ermittlungen ist, kann die Staatsanwaltschaft Frankfurt „aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit keine Angaben machen“, wie uns ein Sprecher mitteilt.
Unglaubwürdige Ausrede der One Group
Laut der One Groups sind aber sowieso weder das Ermittlungsverfahren noch die für Soravia und die One Group üblichen Verschiebungen von Anlegergeldern ursächlich für den Zahlungsverzug. „Grund hierfür sind Verzögerungen im Projektverlauf infolge wiederholter Änderungen behördlicher Vorgaben, die den Zeitplan erheblich beeinflusst haben“, schreibt uns Uwe Richter, Geschäftsführer der One Group. Eine Sprecherin von Soravia selbst wird PLATOW gegenüber konkreter: Eine geplante Erweiterung des Hotelbaus wurde „trotz vorhergehender Abstimmung mit der Politik und den Behörden abgelehnt“.
Dass am Zahlungsverzug des Proreal Club Deal 2 ausgerechnet allein die Baubehörden schuld sein sollen, ist aus mehreren Gründen unglaubwürdig. Schon deshalb, weil der Zahlungsverzug des Proreal Club Deal 2 leider keine Ausnahme ist. Sämtliche Produkte der Proreal-Reihe sind von Zahlungsverzögerungen oder sogar -ausfällen betroffen.
Auszahlungen wurden verzögert und Anleger nur häppchenweise sowie meist unzureichend informiert, bis es dann in einigen Fällen bereits zum (teilweisen) Zahlungsausfall kam. Statt Anleger auszuzahlen, verkaufen die Geschäftsführer der Schuldverschreibungen die Forderungen zudem mitunter an Schwesterunternehmen. So geschehen beim Proreal Europa 9 und 10. Die Anleger gehen also nahezu leer aus, während ihre Gelder im Soravia-Konzern verbleiben. An dieser Stelle schaut die Staatsanwaltschaft Frankfurt bereits genauer hin.
Widersprüchliche Informationen und lethargische Anleger
Noch ein Punkt spricht dagegen, dass „wiederholte Änderungen behördlicher Vorgaben“ hauptsächlich ursächlich für den Zahlungsverzug sind: Anfang April schrieb uns Soravia, dass es plane, Nominalkapital und Zinsen des Proreal Club Deal 2 vollständig zu zahlen. Nur wenige Wochen später, im Mai, hat die One Group ihre Anleger laut eigener Aussage dann über den Zahlungsverzug informiert.
Hat sich also innerhalb eines Monats die Lage aufgrund der abgelehnten Baupläne so dramatisch gedreht? Oder war der Gruppe schon im April bewusst, dass sie die Anleger Ende Juni nicht auszahlen würde?
Aufschluss darüber könnten vielleicht die Geschäftsberichte des Hotelprojekts geben. Obwohl das Hotel selbst noch nicht betrieben wird, läuft der Restaurantbetrieb gut, zumindest nach Angaben von Soravia. Eine Sprecherin schrieb uns im April, dass das „aktuelle Geschäftsjahr“ das „beste in der Geschichte der Institution am Arlberg“ war. „Eine Überschuldung liegt definitiv nicht vor.“ Der Geschäftsbericht für das angebliche Rekordjahr 2025 allerdings auch nicht.
Ebenfalls bisher nicht vorhanden sind die Beschwerden und Klageversuche der betroffenen Anleger des Club Deal 2. PLATOW hat bei der Bafin, der Verbraucherzentrale Bundesverband sowie bei den Verbraucherzentralen Hessen und Hamburg angefragt. Außerdem bei vier Fachanwälten, die sich bereits mehrfach mit der One Group befasst haben. Überall Fehlanzeige. Die Bafin darf sich zu einzelnen Unternehmen nicht äußern. Haben die geschädigten Anleger bereits kapituliert? Die Antwort eines Anwalts erweckt diesen Eindruck. Vielleicht würde ein „Simon Brenner des grauen Kapitalmarkts“ wieder Optimismus wecken. Da Staatsanwälte ähnlich wortkarg sind wie Brenner in den Romanen, aber keinen redseligen Erzähler an ihrer Seite haben, besteht vielleicht sogar Hoffnung.
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