Für viele Matadore der Immobilienbranche hat die Expo Real der Mipim in Cannes den Rang abgelaufen. PLATOW ist wie bisher bei jeder Expo Real seit 28 Jahren vor Ort. Im Vorfeld erhebt die Messe jedes Jahr den „Expo Real Trendindex“. In diesem Jahr zeigt der Trendindex eine stärkere Zurückhaltung als noch im Vorjahr. Lediglich Wohnen, Datenzentren und Logistik senden positive Signale. Gleichzeitig werde investierbare Infrastruktur zunehmend integraler Bestandteil des Immobilienmarkts, so die Studie. Hohe Baukosten, begrenzte Kapitalverfügbarkeit und bürokratische Hürden blieben aus Sicht der Befragten jedoch zentrale strukturelle Herausforderungen.

Zahlen bleiben stabil – zumindest auf dem Papier

Im Zahlenwerk scheint sich die Messe ausgesprochen resilient zu verhalten. Die Anmeldungen lägen auf Vorjahresniveau, berichtet die Organisation. An den drei Messetagen würden erneut rund 40.000 Experten aus der Immobilienwirtschaft sowie Vertreter von Städten, Ländern, Regionen und Infrastrukturbetreibern erwartet.

So richtig vermag PLATOW den optimistischen Meldungen nicht zu glauben. Schon vergangenes Jahr meldeten Besucher ein gefühltes Auseinanderklaffen von Präsenz und Zahlen. Vielleicht ist die Verweildauer gekürzt. Oder die Pleitenfolgen spielen sich im Hintergrund ab. So werden auch trotz deutlicher Schmerzen die prominenten Offenen Immobilienfonds mit ihren Bankenmüttern vor Ort sein. Thematisch werden die aktuellen Kühe durch die Immobiliendörfer getrieben. Ob „gefühlt“ nach wie vor jeder zweite Besucher sich als Transformationsmanager bezeichnen wird, oder vielleicht doch die Ratio eingekehrt ist, werden wir sehen.

Branche bleibt zurückhaltend

Laut Trendindex des Meinungsforschungsinstitutes IfaD im Auftrag der Messe München sehen Aussteller und Besucher die Marktlage verhaltener als noch im Vorjahr. 40% der Befragten beurteilen die derzeitige Lage am Immobilienmarkt als „zurückhaltend“ oder „sehr zurückhaltend“ (2025: 22%). Optimistisch waren lediglich 25% (2025: 44%). „Der Trendindex zeigt eine Branche zwischen Zurückhaltung und Zeichen der Belebung. Die Transaktionsmärkte ziehen wieder an. Gleichzeitig bleiben die strukturellen Herausforderungen hoch, kommentiert Messe München-Geschäftsführer Stefan Rummel. Vor allem schnellere Fortschritte beim Bürokratieabbau seien notwendig.

Auf die Frage, was es braucht, um die Immobilienwirtschaft zukunftsfähig aufzustellen, nennen die Befragten insbesondere die Entbürokratisierung (73%, 2025: 79%) und die Verfügbarkeit von Kapital (69%, 2025: 64%). Mit einigem Abstand folgen die Harmonisierung der gesetzlichen Rahmenbedingungen in Deutschland (50%, 2025: 47%) und die Transformation des Immobilienbestands (unverändert bei 43%).

Bezahlbarer Wohnraum bleibt ein Problem

Im Hinblick auf die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum fällt das Urteil der Immobilienbranche ernüchternd aus. So enttäuscht die Umsetzung des sogenannten Bau-Turbos die Mehrheit der Befragten. 57% geben hierfür die Note 4 oder schlechter. Rund 97% der im Rahmen der Trendstudie Befragten erachten die Senkung der Baukosten als wichtig oder sogar sehr wichtig. Darauf weisen indirekt auch weitere Antworten hin, etwa die Abschaffung von hohen Baustandards, serielles Bauen bzw. Modulbau und Bauen im Bestand, denen ebenfalls große Bedeutung beigemessen wird.

Wohnen, Datencenter und Pflege führen das Ranking an

Wie im Vorjahr erwarten drei Viertel der Befragten, dass die Assetklasse „Wohnen“ weiter an Bedeutung gewinnen werde. Datenzentren landen mit 69% (2025: 63%) der Nennungen in diesem Jahr auf Rang zwei und verdrängen die Pflegeimmobilien (64%, 2025: 66%) auf den dritten Platz. Handel (8%, 2025: 10%), Büro (9%, 2025: 11%) und Parkhäuser (9%, 2025: 10%) bilden wie schon im vergangenen Jahr das untere Ende des Rankings. Weitere Infrastrukturprojekte, etwa Gesundheitsimmobilien, investierbare Energieinfrastruktur oder Defense-Einrichtungen, die seit diesem Jahr Bestandteil der Expo Real sind, liegen in der Liste wiederum weit vorne.

Für die Aussteller und Besucher der Expo Real bleibt Europa der wichtigste Zukunftsmarkt. Insgesamt 33% der Befragten beurteilen den Alten Kontinent als „sehr wichtig“, 44% als „wichtig“ (insgesamt 77%, 2025: 80%). Weiter an Bedeutung zulegen kann der asiatisch-pazifische Raum mit 67% (2025: 64%). Innerhalb Europas werden Westeuropa inklusive der D-A-CH-Region zusammen mit Nordeuropa als wichtigste Immobilienmärkte der Zukunft angesehen.

Infrastruktur bekommt eigenes Forum

Zunehmend wichtig wird für die Immobilienbranche die Rolle von Infrastrukturprojekten. 70% gehen davon aus, dass der steigende Investitionsbedarf verstärkt auch von privaten und institutionellen Investoren abgedeckt werden muss. Die Messe ist mit dem Forum „InfrastructureNow“ auf den Zug aufgesprungen. PLATOW ist bei Infrastrukturinvestitionen traditionell skeptisch. Private Infrastrukturinvestitionen mit festen Mietzahlungen eines öffentlichen Mieters bzw. Betreibers sind oft nichts anderes als versteckte Verschuldungserhöhung.