Bremst veraltete IT die Banken beim KI-Einsatz aus?
„Veraltete IT-Systeme erschweren die Integration von Lösungen mit KI-Unterstützung."
Karlheinz Walch
Leiter des Generaldirektorats Bundesbank
KI kann Banken effizienter machen. Doch veraltete IT-Systeme und Risikoaversion können die Transformation hemmen und Banken so im Wettbewerb schwächen. PLATOW hat nachgefragt, wie hoch die Betroffenen dieses Risiko einschätzen.
Mithilfe von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz wollen Banken ihre Effizienz verbessern und Kosten senken. Dabei werden sie jedoch von veralteten IT-Systemen ausgebremst. In einer Studie der Beratung Roland Berger gaben jüngst 80 Prozent der befragten Finanzinstitute an, dass Legacy-Systeme ihr größtes Transformationshindernis seien. Unsere These: Veraltete IT-Systeme, Risikoaversion und der Unwillen zur Transformation können Banken bei KI den Wettbewerbsvorteil kosten.
Was sagt die Branche?
Karlheinz Walch, Leiter des Generaldirektorats Finanzaufsicht bei der Bundesbank: „Veraltete IT-Systeme machen Banken nicht nur anfälliger für Cyberangriffe, Systemausfälle und Datenverluste, sondern erschweren auch die Integration schneller und effizienter Lösungen mit KI-Unterstützung. Wenn Banken Innovationen zu zögerlich angehen, könnten sie Chancen verpassen, Wettbewerber mit stärkerem KI-Einsatz erzielen dann Wettbewerbsvorteile, etwa durch bessere Kundenanalysen, effizientere Prozesse oder innovativere Produkte. DORA schafft EU-weit einen einheitlichen Rahmen für die digitale operationale Resilienz von Finanzunternehmen, der IKT-Risiken allgemein adressiert, Wettbewerbsverzerrungen und Befolgungskosten reduziert sowie Risikotoleranzschwellen und regelmäßige IKT-Risikobewertungen verlangt, insbesondere für Altsysteme.“
Jens Obermöller, Leiter der Abteilung Cyberrisiken und Technologie im Finanzsektor bei der Bafin: „Generell erkennen wir bei Finanzunternehmen ein deutliches Eigeninteresse an der digitalen Transformation und auch am Einsatz von KI. Gerade im Finanzsektor sind die Potenziale von KI vielfältig, sei es im Kundenmanagement, in der Risikobewertung, bei der Betrugsprävention oder bei der Automatisierung und Effizienzsteigerung von Prozessen. Wenn Unternehmen mit dem technischen Fortschritt Schritt halten und diese Potenziale für sich nutzen wollen, ist digitale Transformation unabdingbar. Die entscheidende Frage ist daher weniger, ob Banken KI einsetzen, sondern wie schnell und vor allem wie zielgerichtet und verantwortungsvoll sie KI in ihre bestehenden Strukturen integrieren können. Hier können moderne IT-Infrastrukturen einen Wettbewerbsvorteil schaffen.“
Stefan Peiß, Risikovorstand bei der KfW: „Aus Risikoperspektive ist Abwarten keine neutrale Position. Wer aus Angst vor Fehlern keine praktische Erfahrung mit KI sammelt, verliert Tempo, Lernkurven und Anschlussfähigkeit. Wer KI unkontrolliert einführt, schafft neue Risiken. Alte IT-Systeme sind dabei nicht per se das Problem. Kritisch wird es, wenn technische Komplexität, schwache Datenqualität und unklare Verantwortlichkeiten den sicheren Einsatz von KI ausbremsen. Dann werden Risiken zum Engpass für Innovation. Deshalb müssen beide Stränge parallel laufen: KI gezielt erproben und einsetzen – und zugleich die Sicherheits-, Daten- und Governance-Grundlagen stärken. Wettbewerbsvorteile entstehen durch belastbare Daten, verlässliche Prozesse und die Fähigkeit, neue Technologie kontrolliert einzusetzen. Banken müssen deshalb entscheiden, wo Modernisierung dringend ist, wo bestehende Systeme stabil und sicher funktionieren und wo KI messbaren Nutzen bringt. Das gilt auch für uns als KfW: Risikokontrolle und Innovationsfähigkeit müssen zusammen gedacht werden.“
Kristina Trink, Chief Risk Officer bei der DKB: „Die Branche ist im War of Tech. Wer bei Banken aber noch an Legacy denkt, der übersieht, dass längst eine Generation neuer Banken das Tempo vorgibt. Wir als DKB wollen zu den Gewinnern dieser Transformation gehören. Wir haben bereits eine halbe Milliarde Euro in Tech investiert, weitere 500 Millionen Euro folgen bis 2030. KI ist kein Add-on mehr, sondern in der Fläche ausgerollt. Die Zukunft gehört den Banken, die technologische Fähigkeiten schnell in Kundennutzen und sichere Use-Cases übersetzen.“
Daniela Bücker, für Core Banking und Technologie verantwortliche Vorständin beim IT-Dienstleister Atruvia: „KI allein schafft keinen Wettbewerbsvorteil, wenn sie lediglich auf bestehenden, fragmentierten Prozessen aufsetzt. Banken brauchen eine moderne, sichere und integrierte Technologiegrundlage, Datenarchitektur und Denkweise, damit Daten verfügbar, nutzbar und angemessen geschützt sind. Dazu gehört auch die Bereitschaft, Architektur, Prozesse und Kompetenzen weiterzuentwickeln, begleitet allerdings von einem klaren Risikomanagement, nicht allein um der Technologie willen. Risikoaversion ist im Banking kein Fehler, sondern Teil des Geschäftsmodells. Sie darf nur nicht dazu führen, dass notwendige Modernisierung dauerhaft vertagt wird.“
Matthias Lehneis, Senior Manager bei der auf die Finanzbranche spezialisierten Unternehmensberatung Zeb: „Viele der relevanten KI-Einsätze sind gar nicht so abhängig von den Kernsystemen: Dokumentenverarbeitung, Wissensassistenten für Mitarbeiter, Unterstützung im Kundenservice, Softwareentwicklung und Compliance-Prüfungen können neben den Kernsystemen laufen. Je integrierter KI in einem Bankprozess eingesetzt werden soll, desto wichtiger sind Daten aus bankfachlichen Kernsystemen und der Zugriff auf deren Funktionen. Dabei spielen technische Hindernisse oder das Alter der Systeme selten eine Rolle. Angesichts der Kritikalität der Daten und Funktionen ist es wesentlicher, Zugriffe zuzulassen und dabei die Voraussetzungen für ausreichende Sicherheit zu schaffen. Risikoaversion wird zu einem echten Hindernis, wenn Institute sie undifferenziert auf alle Arten von Risiken anwenden, und die auf hochriskante Fälle ausgerichtete Governance gleichermaßen auch für wenig Riskantes gilt. Hier müssen Institute abwägen, ob das unsichtbare Risiko des Nicht-Handelns gegebenenfalls sogar schwerer wiegt.“
Redaktion: Sophie Deistler
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