Ehemalige Varengold Bank schrammt nach BaFin-Prüforgie an Verlust vorbei
Die neu firmierte Ascory richtet sich nach einem Skandal um Geschäfte mit „Iran-Bezug“ neu aus. Doch horrende Kosten aus BaFin-Prüfungen brachten die Bank an ihre Grenzen.

Die ehemalige Varengold Bank, die heutige Ascory, spürt nach langer Prüforgie der BaFin und einer Reputationskrise rund um Iran-Transaktionen wieder Boden unter den Füßen: Die Bank kehrte mit einem Vorsteuerergebnis von 2,0 Mio. Euro in die Gewinnzone zurück und lässt eine BaFin-Sonderprüfung und die Kontrolle durch die Prüfgesellschaft KPMG als Sonderbeauftragten hinter sich. Die Bank sprach in der zurückliegenden Woche von einem „Meilenstein“ und einem „Transformationsjahr“.
Doch horrende Kosten aus BaFin-Prüfungen haben die Bank an ihre Grenzen gebracht, wie der neue Finanzbericht zeigt: Die Bank wandte allein im vergangenen Jahr 2,6 Mio. Euro für den Sonderbeauftragten auf und weitere 1,6 Mio. Euro für eine Sonderprüfung nach Paragraf 44 im Kreditwesengesetz – das ergibt in Summe 4,2 Mio. Euro. Werden die Jahre 2023 und 2024 mitgezählt, beträgt die Last sogar 15,8 Mio. Euro. Dabei fallen auch ein Bußgeld in Höhe von 3,3 Mio. Euro sowie ein Zwangsgeld von 500.000 Euro ins Gewicht. Weitere Rechts- und Beratungskosten kommen noch hinzu.
Neuausrichtung nach Skandal
Für eine Bank mit 103 Köpfen und 1,1 Mrd. Euro Bilanzsumme ist das viel Geld – umso mehr, weil im Jahr 2025 der Zins- und Provisionsüberschuss insgesamt um 24% auf 34,3 Mio. Euro einbrach. Nur weil zugleich auch der Verwaltungsaufwand um 17% auf 32,5 Mio. Euro sank, war noch ein kleiner Gewinn möglich.
Ihr Geschäftsmodell hat die Bank umgekrempelt: Künftig will sie vor allem maßgeschneiderte, „strukturierte“ Finanzierungen für Wachstumsfirmen bereitstellen, und zwar „mit einem klaren Fokus auf innovative Segmente wie Fintech und Energy Transition“. Den internationalen Zahlungsverkehr im Commercial Banking gab sie auf.
Früher hatte sie nach eigener Darstellung Produzenten und weltweite Großhändler von Nahrungsmitteln und Medikamenten unterstützt. Oftmals habe es dabei einen „Iran-Bezug“ gegeben. Insgesamt 410 Kunden hat die Bank bis Ende 2025 gekündigt. Das Volumen des Iranportfolios hat sich von ursprünglich 590 Mio. Euro auf 99 Mio. Euro verringert.
Auch „Cum-ex“ blieb haften
Doch nicht nur im Zusammenhang mit Geldtransfers an den Iran taucht der alte Name Varengold auf, sondern auch rund um Cum-ex-Betrug. Bekanntlich war erst im Januar ein ehemaliger Varengold-Banker am Landgericht Bonn zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Die Bank spricht im Finanzbericht von „Wertpapiertransaktionen um den jeweiligen Dividendenstichtag der Jahre 2010-2016“. Ein Sonderprüfer legte dazu im Juni 2025 der Bank einen Bericht vor.
Im Finanzbericht geht Ascory auch auf einen Streitfall mit der Depotbank Caceis ein, einer Tochter der französischen Großbank Crédit Agricole. Dazu gibt es bereits eine Rückstellung in Höhe von 4,5 Mio. Euro. Caceis war bereits vor vielen Jahren wegen Cum-ex-Geschäften vom Finanzamt belangt worden und streitet daher mit mehreren anderen Banken und Akteuren um eine Erstattung – auch mit der ehemaligen Varengold. Ascory stuft es allerdings als „nicht überwiegend wahrscheinlich“ ein, hier noch belangt zu werden.
Hoffen auf ein Happy End
Doch schwerer als mögliche Rechtslasten wiegen die Folgen für die Reputation. Weder mit Cum-ex noch mit Iran-Transaktionen will eine Bank gerne in Verbindung gebracht werden. Kein Wunder also, dass sich die bisherige Varengold mit Wirkung zum Februar einen neuen Namen gab. „Ascory“ ist eine Zusammensetzung aus dem lateinischen Wort „ascendere“ (aufsteigen) und dem englischen Wort „Story“ (Erzählung).
Für das Happy End dieser Geschichte sind Vorstandssprecher Matthias Wargers und Vorstandsmitglied Hendrik Harms verantwortlich. Beide Manager rückten im März 2025 an die Spitze, nachdem Frank Otten und Bernhard Fuhrmann ihre Posten geräumt hatten. Harms, der bereits 68 Jahre alt ist, dürfte bald vom Generalbevollmächtigten und COO Kai Friedrichs beerbt werden. Bis Ende 2028 will das Management die Eigenkapitalrendite auf mehr als 10% anheben und eine Aufwand-Ertrag-Quote von weniger als 65% ausweisen.
An der Börse muss die Story allerdings noch verfangen: Nachdem der Aktienkurs im Jahr 2023 nach der Intervention der BaFin kollabiert war, gelangen der Aktie keine großen Sprünge mehr. Mit einem Preis von 2,56 Euro am Freitagnachmittag und einer Marktkapitalisierung von 26 Mio. Euro ist Ascory wenig wert. Die Erholung steht aus.