Das Brexit-Votum am 23. Juni 2016 hatte nicht nur für Großbritannien weitreichende Folgen, sondern auch für den Finanzplatz Frankfurt. In einem Feld hat die Stadt klar von der Entscheidung profitiert. Seither haben ausländische Banken ihre Präsenz in der Mainmetropole deutlich ausgeweitet. Rund 60 Institute haben ihr Geschäft in Frankfurt auf – oder ausgebaut, darunter klangvolle Namen: Morgan Stanley richtete Frankfurt als EU-Hub für seinen europäischen Handel ein, Citigroup wandelte seine deutsche Rechtseinheit zum EU-weiten Trading-Hub um. Goldman Sachs baute sein Frankfurter Büro zum EU-Hauptsitz aus, die japanischen Häuser Nomura und Daiwa Securities wählten die Mainmetropole als ihre europäische Basis.

Zuwachs nicht überall

Zehn Jahre nach dem Referendum zog diese Woche Frankfurt Main Finance, ein eingetragener Verein, dem Banken, Versicherer, das Land Hessen und die Stadt Frankfurt angehören, eine Zwischenbilanz. Diese fiel erwartungsgemäß positiv aus: 15.000 neue Arbeitsplätze im Finanzsektor – mehr als zunächst erwartet. Auffällig ist hauptsächlich der Zuwachs bei ausländischen Banken. Dieser zeigt sich im Chart der Woche. Demnach stieg die Bilanzsumme ausländischer Banken in Deutschland seit 2016 um das 2,5-Fache. Die allermeisten Institute haben dabei ihren Sitz in Frankfurt.

Tobias Vogel, Chef des Verbands der Auslandsbanken in Deutschland, sprach von einer „spürbaren Stärkung“ des Finanzplatzes. Internationale Banken hätten ihre Präsenz in Frankfurt „deutlich ausgebaut“. Allerdings machte er auch klar, dass die Banken ihren Sitz aus regulatorischen Gründen nach Frankfurt verlagert hätten und nicht, weil Frankfurt per se attraktiver sei. „Wo wir aber einmal hinkommen müssen, ist, dass Banken nicht Arbeitsplätze nach Deutschland verlagern müssen, sondern dass sie es wollen.“

Paris hat zuletzt aufgeholt

Frankfurt zog nach 2016 schnell internationale Banken an – doch Paris hat seitdem aufgeholt. Von manchen Banken, die nach Frankfurt gegangen sind, ist heute hinter vorgehaltener Hand zu hören, dass die Wahl zum heutigen Zeitpunkt eher auf Paris fallen würde. Vor allem nach dem Amtsantritt von Emmanuel Macron kümmerte sich die französische Regierung systematisch darum, den Finanzstandort zu stärken, zum Beispiel durch Steuervergünstigungen. Zudem profitiert Paris auch davon, dass es näher an London liegt und es dadurch leichter ist, zwischen den Metropolen zu pendeln.

Zehn Jahre nach dem Brexit lässt sich sagen: Der Finanzstandort Frankfurt hat profitiert – die Frage ist, ob die Stadt auch die nächste Runde gewinnt. Große Hoffnungen ruhen dabei nach wie vor auf regulatorischer Hilfe.  Eine neue EU-Kapitalrichtlinie könnte internationalen Banken den nächsten Anstoß geben, mehr Substanz auf den Kontinent zu verlagern.