Der deutsche Genossenschaftssektor ist in z. T. heftiger Bewegung. Die PSD-Gruppe zerfällt, bei den Volksbanken wird zusammengelegt und selbst die Sparda-Banken treten als Akteure in Erscheinung, wie die fortgeschrittenen Fusionspläne der Sparda-West zeigen.

Michael Gruber, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Ostbayern, ist ein aufmerksamer Beobachter des Geschehens und zieht im Gespräch mit PLATOW seine Schlüsse. Sein Haus ist mit 3,2 Mrd. Euro die zweitkleinste von vier Spardas in Bayern – nur Augsburg ist kleiner. „Unser Anspruch ist, eine starke Genossenschaft in der Region zu sein“, sagt Gruber. Die kürzlich präsentierten Jahreszahlen fielen solide aus – doch hinter den Zahlen lauern strukturelle Probleme, mit denen viele Spardas kämpfen.

Licht und Schatten

Bei der IT wurden die Hausaufgaben gemacht. Als erste ihrer Gruppe migrierten die Ostbayern 2024 zur Atruvia. Der Verwaltungsaufwand sank von 38,0 auf 33,8 Mio. Euro – was bei später migrierenden Sparda-Banken noch anders aussieht. „Durch den Wegfall der IT-Migrationskosten sind wir bei den Kosten jetzt deutlich runtergekommen“, so Gruber. Die Einsparungen flossen nicht in den Jahresüberschuss von 2,1 Mio. Euro, sondern stärkten das harte Kernkapital. „Im Bilanzgewinn kommt es nicht zum Ausdruck, aber wir konnten den Fonds für allgemeine Bankrisiken deutlich stärken.“

Zinsergebnis (44,4 Mio. Euro) und Provisionsergebnis (14,3 Mio. Euro) entwickelten sich stabil, Kundeneinlagen (2,8 Mrd. Euro, +0,4%) und Kreditvolumen stagnierten. Mögliche Tariferhöhungen aus den laufenden Verhandlungen zwischen Verdi und den Sparda-Banken seien einkalkuliert, so Gruber.

Mitglieder, Fusionen, Zukunft

Doch die eigentliche Baustelle liegt woanders. Die Mitgliederzahl fiel 2025 unter die Marke von 100.000 auf 99.372 (−1,8%). Die Kundenzahl sank um 816 auf 126.427. Die Rückgänge sind überschaubar, die Tendenz aber nicht. „Die Mitgliederentwicklung war auch in ’25 leider rückläufig – wir hoffen, dass wir die Trendwende schaffen“, räumt Gruber ein. Als Hauptursache nennt er den Wegfall des kostenlosen Girokontos seit 2020, ein auch von anderen Sparda-Chefs genannter Punkt. Gegensteuern will er mit einem erweiterten Jugendprodukt „Sparda Young“, einem kostenlosen Konto für junge Menschen bis 26. Details seien aber noch nicht spruchreif.

„Kein Übernahmekandidat“

Genau diese Gemengelage – schwindende Mitglieder, Fachkräftemangel, relative Kleinteiligkeit – treibt anderswo Fusionen. Gruber weiß das: Im VR-Bankenbereich seien die Durchschnittsgrößen durch Fusionen deutlich gestiegen. „Früher gehörten wir regional zu den Größeren.“ Für die Ostbayern schließt er einen Zusammenschluss dennoch aus: „Ich sehe uns weder als Übernahmekandidaten noch als übernehmende Genossenschaft – wobei ich nicht für alle Ewigkeit sprechen kann.“

Die Strategie bleibt klar: Filialbank, kein Plattformgeschäft, konservativer Eigenanlagenbereich. „Wir wollen unser Geschäft möglichst einfach, leistungsstark, aber mit starkem Fokus auf unsere Kunden und Mitglieder.“