Tarifpoker bei den Spardas – Ein Scheitern liegt in der Luft
Beide Parteien geben sich vor der nächsten Verhandlungsrunde nach außen gelassen. Intern brodelt es: Der angestrebte, schnelle Abschluss steht auf der Kippe.

„Sorgfalt geht vor Tempo“ – so formulierte es Martin Buch, Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbands Sparda (AGV Sparda) und Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Baden-Württemberg, im Gespräch mit PLATOW. Die Tarifverhandlungen zwischen dem AGV Sparda und Verdi laufen seit März 2026. Der Zeitplan ist ambitioniert: Arbeitsgruppen sollen bis zum 22.6 Ergebnisse liefern, der Gesamtabschluss ist für den 29.6. angepeilt. Gegenüber PLATOW lässt Verdi durchblicken: Die Spardas fürchten ein Scheitern und sehen sich wachsendem Druck der eigenen Mitarbeiter für einen schnellen Abschluss gegenüber.
Druck aus Berlin
Es ist eine Taktik, die beim AGV Sparda auf Unverständnis stößt, wie aus dem Verband zu hören ist. Die Verhandlungen liefen strukturiert, es existiere ein klarer Terminplan. Für Hektik gäbe es keinen Anlass.
Allerdings sind die Dinge für den AGV seit Beginn der Verhandlungen schwieriger geworden. Das liegt zum einen am Tarif-Abschluss der Sparda-Bank Berlin, die außerhalb des Verbands verhandelt. Sie hat im April 2026 ihren eigenen Abschluss erzielt. Ergebnis: 4% ab 1.4.26, weitere 3% ab 1.4.27, Laufzeit bis 30.6.28. Azubis bekommen 150 Euro brutto mehr im Monat, Beschäftigte einen zusätzlichen Urlaubstag für demokratisches Engagement. Ein Punkt, den der AGV Sparda ablehnt. Im März erklärte ein Beteiligter auf Seiten der Arbeitgeber: „Das ist mit uns nicht zu machen.“
Verdi-Verhandlungsführer Stefan Wittmann ist nach dem Berliner Abschluss dennoch zuversichtlich: „Wir sehen den Abschluss im Osten als gute Grundlage für die nachfolgenden Gespräche mit dem Verband der Sparda-Banken.“ Buch widerspricht: „Der Abschluss der Sparda-Bank Berlin ist eine Einzelentscheidung außerhalb unseres Arbeitgeberverbandes und für uns nicht bindend.“
Die Sparda-Mitarbeiter wollen neben mehr Gehalt, Verdi fordert 6% für 12 Monate, auch eine geringere Arbeitszeit, am liebsten 35 Stunden. Auch hier hat die Berliner Sparda den Weg vorgegeben. Sie hat seit Januar 2024 die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich.
Eine ähnliche Lösung würde den Personal- und Kostenrahmen der übrigen Sparda-Banken belasten. Buch hält dagegen: „Konstruktiv und sachlich. Wir wollen einen Abschluss, der den Beschäftigten gerecht wird und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig ist.“
Der dritte Konfliktpunkt
Ein weiterer Konfliktpunkt könnte die Künstliche Intelligenz werden. Die Sparda-Mitarbeiter fürchten angesichts des KI-bedingten Stellenabbaus in der Finanzwirtschaft um ihre Jobsicherheit. Buch: „KI ist Teil des Strukturwandels – aber kein kurzfristiges Abbauprogramm.“ Entscheidend sei, die Beschäftigten mitzunehmen, Qualifikationen zu stärken und Perspektiven zu schaffen. Die Tarifpolitik setze dafür den Rahmen. Buchs Haltung beim Thema KI ist kein Zufall. In zurückliegenden Gesprächen argumentierten Sparda-Vorstände ähnlich.
Schneller Abschluss fraglich
Angesichts der offenen Punkte ist der Zeitplan ambitioniert. Buch verweist auf den „konkreten, mit Verdi abgestimmten Terminplan“. Er will sich nicht drängen lassen: „Sollten wir bis dahin nicht fertig sein, dann verhandeln wir weiter.“ Entscheidend sei ein tragfähiges Ergebnis, nicht ein schneller Abschluss. Was Buch nicht sagt: Der Umzug der Spardas zum IT-Dienstleister Atruvia hat viele Institute zurückgeworfen, 2026 sollte der Beginn einer Offensive werden. Ein Streik wäre das Letzte, was jetzt gebraucht wird.
Buch gibt sich im Gespräch gelassen. Die Angestellten werden das nicht ewig tun. Ein Ergebnis wie in Berlin werden sie verlangen.