Expo Real in fröhlicher Lethargie
Die scheinbar gute Stimmung auf der Expo Real kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Immobilienbranche weiter in der Krise steckt. Der ersehnte Aufschwung lässt noch länger auf sich warten.

Zum Redaktionsschluss gibt es noch kein belastbares Zahlenwerk. Gefühlt ist die Messe voll. Gutes Wetter lockt nach draußen. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als schlechtes Wetter die Teilnehmer in die Gänge trieb, verteilen sich dieses Jahr die Besucher besser. Dennoch gibt es auch 2026 die Diskussion, ob es leerer ist oder nicht, ob die Gänge etwas verbreitert wurden und welche Hallen nicht mehr gefüllt sind. Dem Gastronomie-Angebot tat die neu verfügbare Fläche auch gut. „Gefühlt“ ist die Messe gut besucht. Die Stimmungslage ist geteilt. Wie immer sind die jungen Besucher „gut drauf“.
Im Hintergrund wird uns allerdings von brancheninternen Gesprächen mit fatalistischer Stimmung berichtet. Das entspricht auch dem Eindruck des PLATOW-Teams. Zinsen und Inflation haben einen Strich durch alle Durchhalteparolen bis zur „Markterholung“ gemacht. Die Frage, wann es wieder aufwärts geht, wird meist durch die Gegenfrage beantwortet, was denn passieren solle, dass sich wirklich etwas Positives bewegt.
Drohen weitere vier Jahre Stillstand?
Es gibt momentan viele Immobilien bereits zu guten Preisen zu kaufen. Family Offices steigen jetzt zu günstigen Konditionen als erste in den Markt ein, berichtet Andreas Völker beim Pressefrühstück von BNPPRE. Allerdings werden die Volumina kleiner. Bis zu einem ernsthaften Aufschwung werde es aber noch dauern. Laut Michael Denk, Geschäftsführer von Quadoro, stellt sich die Branche auf weitere vier Jahre Stillstand mit selektiven Ausreißern ein. Danach sollten die Altprobleme abgearbeitet sein. Neuinvestoren erwarten bei Core 5% und im Core+-Bereich 6% Rendite. Unterhalb von 5% Anfangsrendite investiere heute kaum noch einer, berichtete Ulrich Höller, Geschäftsführer der ABG Real Estate Group, jüngst bei seinem traditionellen Pressegespräch in Frankfurt. Im Bereich der Offenen Fonds wird eher von einer Stabilisierung der Preise mit ersten positiven Botschaften z. B. bei Hotel oder Wohn-Sonderformen ausgegangen. Das betrifft aber nur den Skontosatz des Marktes. Büro bleibt weiter sehr selektiv, wobei lediglich die Top-Flächen bei durchaus hohen Spitzenmieten gefragt sind.
Tendenziell erwartet der Markt noch weitere Preiskorrekturen. Im laufenden Jahr werde der Druck auf Banken und Investoren zunehmen, Immobilien zu veräußern. Mit großen NPL-Portfolios wird zwar nicht gerechnet, aber mit einer Zunahme von Verkäufen unter Druck. Auf den Mietmärkten retten öffentliche Mieter auch aus dem Defense-Bereich das Zahlenwerk. Volkswirtschaftlich ist das allerdings eher bedenklich. Ebenso wie die positiven volkswirtschaftlichen Meldungen über Impulse der „Sondervermögen“ spricht das nicht für einen eigendynamischen Aufschwung der Wirtschaft. Da könnte lediglich der anziehende Export helfen.
KI erfasst auch die Immobilienbranche
Im Medienbereich wird der Zeitenumbruch offen diskutiert. Redaktionen werden eingedampft. Ein renommierter Großmakler hat vor KI-Hintergrund den Bereich Marketing, Grafik und Presse komplett freigesetzt. Einige Kollegen berichten vom verdienten, wenn auch so nicht geplanten Ruhestand. Im Immobilienmanagement hält KI auch stark Einzug. Das spare echte Kosten. Schwierig könne es für Berufsanfänger werden, die jetzt noch die immobilienwirtschaftlichen Fakultäten mit Gehaltsvorstellungen von vor drei Jahren bevölkern. Die neue Managergeneration denke mehr in Zahlen, als im langjährigen Halten von qualifiziertem Personal. Die Durststrecke ist zu lang.
Interessant ist die Auswirkung der Branchensituation auf die Kleidung, die zunehmend wieder konservativer wird. Anzug, Krawatte und Einstecktuch werden wieder bevorzugt. Das Zwischenfazit auch aus unseren Gesprächen mit positivem Hintergrund, man könne jetzt wieder gut einkaufen, lautet: Im vergangenen Jahr sah sich der Markt unten mit der Hoffnung auf zügige Besserung, was aber PLATOW schon nicht verstehen konnte. Dieses Jahr ist der Markt fröhlich fatalistisch. Es gebe einfach keinen Grund, warum es besser werden sollte. Dieses Jahr habe auch der letzte immobilienwirtschaftliche Nachzügler die Situation verstanden: Es dauert noch ein paar Jahre