Zwei Drittel der europäischen Büronutzer wollen umziehen
Die Ansprüche der Büronutzer an geeignete Büroimmobilien werden immer höher. Extra zahlen wollen sie dafür aber nicht. Zwei Drittel planen einen Umzug in den nächsten drei Jahren, wie eine CBRE-Umfrage ergab.

Hohe Ausstattungsanforderungen werden zur Bedingung für eine Anmietung und sind nicht mehr zu honorierendes Extra. Laut dem aktuellen „European Office Occupier Sentiment Survey 2026“ von CBRE planen fast zwei Drittel (65%) der europäischen Büronutzer, innerhalb der nächsten drei Jahre umzuziehen. Zwar bleibt wenig überraschend nach Ansicht der Büronutzer das Büro laut Umfrage wichtig für Produktivität und Unternehmenskultur, jedoch wollen sie ihren Flächenbedarf überprüfen. Gleichzeitig machte der Spezialist für hochwertige Büroentwicklungen und ABG Real Estate-Chef Ulrich Höller bei seinem traditionellen Journalistenabend jüngst deutlich, dass sich der deutsche Büromarkt insgesamt um 25% verkleinern werde. Das übertrifft sogar die PLATOW-Erwartungen, die eher von 10% insgesamt und von 20% für die reinen Bürostandorte ausgehen.
Mit den veränderten Anforderungen wählen Unternehmen ihre Büroflächen gezielter aus. Als wichtigste Gründe für die Anwesenheit im Büro nennen die Befragten die Zusammenarbeit mit Kollegen (85%), den Zugang zu einem produktiven Arbeitsplatz (81%) und den Austausch mit Führungskräften (77%). 90% der Befragten würden ein Gebäude ablehnen, wenn es ihre Anforderungen an Ausstattung und Angebote nicht erfüllt. Die Bereitschaft, das extra zu honorieren ging im Vorjahresvergleich von 54 auf 48% zurück. Damit steigen die Mindestanforderungen an geeignete Bürogebäude. Technologie und Nachhaltigkeit verändern nicht nur den Flächenbedarf, sondern auch die Anforderungen an die Büros selbst. Der Bedarf richtet sich an vielseitig nutzbare und flexibel gestaltbare Flächen (48%).
KI schafft Büro-Arbeitsplätze ab
Künstliche Intelligenz treibt diese Entwicklung mit voran, so CBRE. Ihre Auswirkungen auf den Flächenbedarf dürften allerdings differenzierter ausfallen als zunächst erwartet. Mehr als die Hälfte (52%) der Befragten gehen davon aus, dass KI langfristig den Personalbestand und den Flächenbedarf verringern werde. Aber wie von Maklern nicht anders zu erwarten, weist CBRE darauf hin, dass frühere Technologie-Erfahrungen Befürchtungen über einen Stellenabbau in der Anfangsphase häufig überzeichneten.
Das übersieht aus PLATOW-Sicht, dass frühere Technologie-Schübe wie z. B. die Einführung des PC das Anspruchsniveau deutlich erhöhten, ohne die anfallende Arbeit zu vermindern. Das Internet benötigte 25 Jahre, um mit dem Katalysator Corona das längst mögliche Homeoffice zu etablieren. Künstliche Intelligenz schafft dagegen Arbeit ab. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist das am langen Ende weniger dramatisch als gedacht. Sicherlich werden weniger Menschen auch neue Berufsfelder finden. Dennoch brauchen weniger Menschen auch weniger Fläche – und weniger Fläche pro Mitarbeiter. Derzeit führt KI in Verbindung mit einer flauen Konjunktur zu spürbaren Einbrüchen bei der Einstellung von Berufsanfängern. Aktuell besteht breiter Konsens in Backgroundgesprächen, dass Neuvermietungen durchschnittlich 25% unter den Flächenfreisetzungen liegen.
Laut der CBRE-Befragung ist der Nachhaltigkeits-Zug trotz politischer Entspannung weiter in Fahrt. 45% der Befragten streben bis 2030 Netto-Null-Emissionen an, gegenüber 37% im Jahr 2024. Die Zeit wird knapp. CBRE prognostiziert, dass der Anteil der Büroflächen in Europa, die jünger als fünf Jahre sind, bis 2028 auf 6,8% sinken wird, den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt.