Die Krise bei den Immobilienfinanzierern zieht weitere Kreise: Der noch vor kurzem sehr expansive Hamburger Entwickler Peters Development, mit 200 Mitarbeitern kein ganz kleiner, ist insolvent. Da könnte allerdings auch, wie die „Immobilien Zeitung“ meldet, ein Kapitalabfluss nach Dubai durch einen Gesellschafter den Deutschen den Garaus gemacht haben. Das wird auf jeden Fall geprüft. Catella Project Management in Düsseldorf steht vor einem größeren Umbruch. Projekte sollen mit stark verkleinerter Mannschaft noch fertig gestellt werden. Die Frage ist in solchen Fällen immer, wie lange die guten Projektmanager im Unternehmensauslauf noch an Bord bleiben.

Zuletzt berichteten wir noch über die Deutsche Finance Group mit einer Fondspleite, die nicht die letzte gewesen sein könnte, und ihre Probleme mit der Bayerischen Versorgungskammer (BVK), die durch die Medien gingen. Jetzt geht der Streit vor Gericht. Die Deutsche Finance America und die DF Deutsche Finance Holding haben vergangene Woche beim Superior Court des US-Bundesstaates Delaware Klage gegen die BVK eingereicht. Die BVK ist Deutschlands größte öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe mit 2,8 Mio. Versicherten, die PLATOW nicht nur aus dem gescheiterten US- Engagement auf der Watchlist hat. Die Kläger machen geltend, dass die BVK durch aus ihrer Sicht falsche und geschäftsschädigende Darstellungen der Deutsche Finance Group die Verantwortung für Verluste des US-Immobilienportfolios zugeschrieben habe, die nach Darstellung der Klageschrift durch Entscheidungen und Unterlassungen der BVK selbst mitverursacht worden seien.

Aktives Management statt passiver Investor

Klagegründe seien Vertragsverletzung, Verleumdung (Defamation), unlautere Geschäftspraktiken nach dem Delaware Deceptive Trade Practices Act, rechtswidriger Eingriff in bestehende Verträge sowie rechtswidriger Eingriff in künftige Geschäftsbeziehungen. Die BVK habe seit mehr als einem Jahrzehnt knapp 2 Mrd. US-Dollar in US-Immobilien investiert. Die Deutsche Finance Group sei dabei lediglich als Asset Manager eingebunden gewesen. Die BVK habe die Objekte ausgewählt, Investitionen genehmigt, Gebühren verhandelt und Vermietungs-, Finanzierungs- und Preisentscheidungen bis auf die Ebene einzelner Objekte gesteuert und damit die Rolle eines passiven institutionellen Investors regelmäßig überschritten. Anschließend habe die BVK die Deutsche Finance Group und die unabhängigen Fondsmanager angewiesen, die von ihr getroffenen Entscheidungen umzusetzen.

Im Zuge der US-Immobilienmarktprobleme seien dann Entscheidungen und Kapitalbereitstellungen ausgeblieben. Die Klage schätzt die möglichen Gesamtverluste über die BVK-Beteiligungen hinweg auf bis zu rund 853 Mio. Euro (988 Millionen US-Dollar) und macht geltend, dass Entscheidungen und Unterlassungen der BVK hierzu wesentlich beigetragen hätten. Statt die Verantwortung zu übernehmen, habe die BVK gegenüber einflussreichen deutschen Medien, deutschen Aufsichtsbehörden, dem Bayerischen Landtag und den eigenen Versicherten ein unzutreffendes Bild vermittelt. Die Deutsche Finance Group verlangt Schadensersatz.

PLATOW ist gespannt. Die BVK hat da wohl auch noch ein paar Compliance-Probleme bei ausgeschiedenen Mitarbeitern zu klären. Was der Markt so über die Bedeutung der Deutsche Finance bei Objektkontakten in Hintergrundgesprächen fabuliert, lassen wir an dieser Stelle einmal außen vor. Zur Beruhigung der Versicherten sei darauf hingewiesen, dass bei der BVK Immobilienrisiken auch im Milliardenbereich über ein paar Jahre gestreckt unauffällig hinter dem Rendite-Komma abgewickelt werden können.