Europas NPL-Risiken verschieben sich auf Deutschland und Frankreich
Die große NPL-Welle lässt weiter auf sich warten. Doch die Risiken wandern – besonders bei gewerblichen Immobilienfinanzierungen. Andere Regionen wiederum erholen sich.

Anders als nach der Finanzkrise, als Banken sich in der Notwendigkeit einer schnellen Lösung bei beachtenswerten Engagements sahen, verzögere sich die große NPL-Welle aufgrund anhaltender Prolongationen, berichtet Drooms, eine europäische Plattform, die die Vorbereitung und Abwicklung von Transaktionen optimiert, in ihrem aktuellen Report „Europas NPL-Markt 2026“. Das Volumen notleidender Kredite bei den großen, direkt von der EZB beaufsichtigten Banken sank 2025 lediglich um 1,81 Mrd. Euro auf 355,16 Mrd. Euro. Allerdings verschieben sich die Risiken deutlich, so Drooms. In Deutschland und Frankreich stiegen die NPL-Quoten, während Spanien und andere südeuropäische Länder sie weiter reduzierten.
Gewerbliche Immobilienfinanzierungen unter Druck
In Deutschland nahm das NPL-Volumen um 4,56 Mrd. Euro auf 53,49 Mrd. Euro zu. Besonders angespannt ist die Lage bei gewerblichen Immobilienfinanzierungen. Die NPL-Quote stieg hier von 5,9 auf 6,9%. Damit liegt Deutschland unter den fünf größten Märkten (Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und den Niederlanden) an der Spitze.
Für die Jahre 2026 bis 2028 erwarte die Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing e.V. (BKS) zudem ein Refinanzierungsvolumen von 74 bis 86 Mrd. Euro bei Gewerbeimmobilien. „Das tatsächliche Risiko im deutschen Gewerbeimmobilienkreditbuch dürfte deutlich höher sein, als es die offiziellen NPL-Quoten derzeit erkennen lassen“, sagt Oliver Platt, Partner bei Kucera Rechtsanwälte. Besonders betroffen seien bürolastige Portfolios in B- und C-Lagen, schwache Einzelhandelsobjekte und hoch gehebelte Value-Add-Strukturen. Core-Logistik, lebensmittelgeankerte Nahversorgungsobjekte und erstklassige CBD-Assets zeigten sich dagegen vergleichsweise robust.
Auch in Frankreich steigen die NPL-Quoten. Das NPL-Volumen erhöhte sich um 7,58 Mrd. Euro auf 127,80 Mrd. Euro. Die NPL-Quote bei gewerblichen Immobilienkrediten stieg von 3,4 auf 3,7%. Spanien hingegen setze den Abbau seiner NPL-Bestände fort. Das Volumen sank 2025 um 5,70 Mrd. Euro auf 68,66 Mrd. Euro. Auch die allgemeine NPL-Quote war rückläufig, von 2,68 auf 2,48%. Bei gewerblichen Immobilienkrediten fiel die NPL-Quote besonders deutlich von 5,4 auf 4,3%. Südeuropäische Banken hätten im vergangenen Jahrzehnt viel Fachwissen im Bereich der Problemkreditbearbeitung gesammelt, so der Report.
Noch keine neue Verkaufswelle
Eine breite Verkaufswelle zeichne sich auch deshalb bislang nicht ab. Banken und Eigentümer verlängern Kredite, verhandeln Finanzierungen neu oder bringen zusätzliches Eigenkapital ein. Mit steigenden NPL-Beständen und anstehenden Refinanzierungen wachse jedoch der Entscheidungsdruck. Drooms rechnet deshalb mit einer Belebung des NPL-Transaktionsmarkts. Das Prolongation Game habe Banken und Kreditnehmern bislang Zeit verschafft und in vielen Fällen abrupte Wertberichtigungen oder Verkäufe vermieden. Es löse das grundlegende Problem jedoch nicht. Inwieweit die Vermeidung abrupter Wertberichtigungen mit dem als besonders transparent propagierten „Fair Value“ korrespondiert, steht für PLATOW in Frage. PLATOW moniert seit Jahren die Zurückhaltung insbesondere von börsennotierten AGs in der Anpassung ihrer Bilanzwerte, die ja schließlich an den Kapitalmärkten Vertrauen schaffen sollen.