Laufen institutionelle Immobilieninvestoren wieder in die zyklische Falle?
Das wirtschaftliche und regulatorische Umfeld verdirbt institutionellen Immobilienanlegern die Investitionslaune. Damit drohen sie Investitionschancen zu verpassen.

Rund ein Drittel der institutionellen Anleger möchten ihre Immobilienquote reduzieren. Wohnungsinvestitionen bleiben der wichtigste Anlage-Schwerpunkt. Das sind die zentralen Aussagen der Industria-Umfrage „Wohninvestment Trends 2026“. Rund 50% der institutionellen Anleger wollen ihre Immobilienquote konstant halten. Für PLATOW stellt sich die klassische Frage nach der prozyklischen Investorenhaltung. Gerade bei Gewerbeimmobilien mit der bekannten „Maturity Wall“ anstehender Anschlussfinanzierungen könnten sich Investmentchancen nicht nur bei NPL, sondern auch aus Preiswirkungen ergeben. Internationale Investoren warten noch auf fallende Preise. Bei anstehenden Anschlussfinanzierungen im spürbaren dreistelligen Milliardenbereich fangen viele Stillhaltevereinbarungen an zu riechen. Drei Jahre dürften bei inzwischen stabilisierten Bewertungs-Bezugspunkten oft unter Buchwert die Toleranzgrenze sein. Schätzungsweise deutlich über 50 Mrd. Euro werden wohl als notleidend einzuordnen sein. CBRE taxierte die Finanzierungslücke durch nicht mehr vorhandene Werte zuletzt auf 77 Mrd. Euro. Damit müssten sich Investmentperspektiven ergeben.

Und der bevorzugte Wohnungsmarkt könnte sich aus PLATOW-Sicht durchaus einem Höhepunkt nähern. Auf aktuellem Zins- und Preisniveau werden sich ohne Wertsteigerungsperspektiven durch Mieten und Multiplikatoren Wohnungsinvestments für Institutionelle kaum noch rechnen. Bei den Multiplikatoren ist PLATOW angesichts des Zinsumfelds und der anstehenden ESG-Herausforderungen auch eher skeptisch. Die Mietentwicklung flacht ebenso wie der Zuzug ab. Belastungsgrenzen und die politische Bereitschaft zu einer kontraproduktiven, wählerorientierten Regulierung werden evident. Inwieweit sich die Konjunktur auf die Zahlungsfähigkeit der Mieter wie in früheren Phasen auswirkt, ist noch offen.
Institutionelle zögern bei Neuinvestments
Vor dem Hintergrund der gesetzlich angedachten Beteiligung an den Heizkosten der Mieter und lauten Gedankenspielen zur Vergesellschaftung dürften internationale Anleger eher zurückhaltend werden. Bei Investmentperspektiven von sicherlich über 10 Jahren relativiert sich die derzeitige „Wohnungsnot“ mit daraus resultierender Mietexplosion auf wenige prosperierende Standorte. Die üblichen, regional breit gestreuten Portfolios institutioneller Anleger dürften davon weniger partizipieren.
Industria hat eine Befragung unter institutionellen Investoren zur künftigen Immobilienallokation durchgeführt. 50% der Befragten wollen ihre Immobilienquote in den kommenden zwölf Monaten konstant halten. Dagegen wollen rund 31% die Quote mehr oder minder leicht reduzieren. Bedenken Sie aber, es handelt sich bei den Angaben (vgl. Chart) bei „leicht gleich 1%-Punkt“ um Prozentpunkte, nicht um Prozent. Bei 10%-Immobilienquote ist 1%-Punkt gleich 10% des Bestandes. Auf Wachstum setzen etwa 14%. Industria-Geschäftsführer Thomas Wirtz, stellt dementsprechend auch fest, dass viele institutionelle Investoren ihre Immobilienquoten ausgeschöpft hätten und aktuell nur sehr selektiv in Immobilien investierten. Die Befragung bestätige, was Industria in der Praxis wahrnehme.
Core bleibt Trumpf
Von dem Kapital, das in den kommenden zwölf Monaten in Immobilien investiert werden soll, werde rund ein Drittel (30,4%) in Wohnimmobilien fließen. Der Rest gehe in die gewerblichen Nutzungsarten. Interessant sei, so Wirtz, dass die Core-Neigung der Investoren noch einmal zugenommen habe. Über 90% geben an, in den kommenden 12 Monaten in Core-Immobilien investieren zu wollen. Vor einem Jahr waren es noch 72,1%. Gleichzeitig seien die Anforderungen an die Ausschüttungsrendite gesunken. Bei Wohnimmobilien national fordern mehr als 53% der Befragten 3,5 bis 4% p.a. Internationale Investments sollen 4 bis 4,5% bringen.
Zumindest in Deutschland dürfte das bei einem Preisniveau, das große Investoren mit Faktor 24 bis 20 noch in ihren Bilanzen mitschleppen, nach Kosten und Zinsen eher sehr herausfordernd sein. Viele Bestandshalter mit oft zwei Dritteln unsanierten Objekten dürften auch ungern hören, dass nur jeder 11. Investor Interesse an Bestandsimmobilien mit Entwicklungspotenzial hat, so die Industria-Befragung.