Das Zerrbild des miettreibenden privaten Vermieters bedarf einer Revision. PLATOW hatte regelmäßig darauf hingewiesen, dass vor allem die großen Wohnungs-AGs stolz ihre Mietentwicklungen als langfristig hochrechenbare Perspektiven verkaufen und eben wie ein Uhrwerk jedes Jahr alle rechtlichen Möglichkeiten der Mieterhöhung ausnutzen, während private Vermieter sehr oft Rücksicht auf die langjährigen Miethistorie nehmen und sich erst bei Neuvermietung am Markt orientieren. Vonovia verwies in Hintergrundgesprächen oft auf die sich aus regelmäßigen Mieterhöhungen ergebenden Bewertungsphantasien.

Die Ergebnisse der bundesweiten Haus & Grund Vermieterbefragung 2026 zeigen, dass private Vermieter mit Augenmaß handeln. Aber sie stießen zunehmend an ihre Grenzen, so H&G-Präsident Kai H. Warnecke. Private Vermieter dominieren den Mietwohnungsmarkt. Sie besitzen 43% der ca. 23 Mio. deutschen Mietwohnungen. Ca. 5,2 Mio. Privatpersonen vermieten in Deutschland Wohnraum. Bei mehr als die Hälfte der H&G-Mitglieder sind das zwischen einer und fünf Wohneinheiten (58,1%). Diese dezentrale Struktur mache private Vermieter besonders anfällig für neue gesetzliche Belastungen und überbordende Regulierung, beschreibt Warnecke die Situation.

Weitere Mietrechtsverschärfungen könnten das Angebot an Mietwohnungen deutlich verringern. Dabei halte das Zerrbild vom renditegetriebenen Vermieter den Daten nicht stand. Knapp 60% der H&G-Vermieter passten die Miete entweder nur moderat an oder verzichteten über längere Zeiträume ganz auf eine Anpassung. Nur jeder Zehnte orientiere sich regelmäßig am Markt. Häufig werde aus Rücksicht auf langjährige Mieter bewusst auf Erhöhungen verzichtet, auch wenn die Betriebskosten oder Instandhaltungsausgaben stiegen. Diese Zurückhaltung zeige ein starkes soziales Verantwortungsgefühl, das in der politischen Debatte kaum gewürdigt werde.

Private Vermieter denken an Rückzug vom Markt

Sechs von zehn Vermietern denken über einen Rückzug aus der Wohnungsvermietung nach. Bei einer Umsetzung der derzeit diskutierten Miet-Regulierungen halten es lt. Umfrage 60,5% der Befragten für wahrscheinlich, ihre Vermietungstätigkeit ganz oder teilweise aufzugeben und Wohnraum zu verkaufen. Das betrifft rechnerisch einen Bestand von 11,2 Mio. Wohneinheiten. Für den Neubau bedeutet das aber aus PLATOW-Sicht, dass eine wichtige Gruppe der privaten Vermieter, die ihren Bestand ergänzen könnten, darauf verzichten werden.

Vor dem Hintergrund der Kostenentwicklung und der wachsenden Aufgaben fragt sich PLATOW schon seit vielen Jahren, wie private Vermieter oder Vermieter kleiner Portfolien, die nicht über eigene Handwerker-Strukturen und professionelles Baucontrolling verfügen und eben nicht laufend in ihren Bilanzen die Werte hochschrauben können, überhaupt den zukünftigen ESG-Herausforderungen und der Alterung der Bestände gewachsen sein sollen. Darauf wiesen übrigens schon vor Jahren auch die großen Vorstände der Immo-AGs hin. „Wer anderen Wohnraum zur Verfügung stellt, braucht Rechtssicherheit“, resümiert Kai Warnecke. Wer Privatvermieter mit immer neuen Vorschriften belaste, treffe nicht anonyme Großkonzerne, sondern Millionen Bürger als Vermieter.