Miese Stimmung unter Deutschlands Immobilienfinanzierern – Das berichten übereinstimmend das BF.Quartalsbarometer und der Deutsche Immobilienfinanzierungsindex (Difi). Laut aktuellem BF-Quartalsbarometer, das BF.direkt in Kooperation mit dem Handelsblatt Research Institute erstellt, sei die Stimmung unter den gewerblichen Immobilienfinanzierern im Q2 2026 deutlich schlechter geworden. Der Barometerwert fiel von -9,74 auf nun -25,97 Punkte. Das signalisiere eine stark eingeschränkte Finanzierungsbereitschaft.

Demgegenüber unterteilt der Deutsche Immobilienfinanzierungsindex (Difi), der von JLL und dem Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) erstellt wird, zwischen der Einschätzung von Gegenwart und Zukunft. Die Bewertung der aktuellen Marktlage fällt im Difi so pessimistisch aus wie seit zwei Jahren nicht mehr, während gleichzeitig die Hoffnung auf eine baldige Trendumkehr deutlich zunimmt.

Kleine Kredite legen zu, größere Finanzierungen nehmen ab

Mit 46,15% gab fast die Hälfte der Befragten an, dass sich die Finanzierungsbedingungen im Vergleich zum Vorquartal verschlechtert hätten. Im Q1 lag dieser Wert noch bei 27,27%. Auch die Entwicklung des Neugeschäfts fällt negativer aus. 23,08% berichteten im Q2 von einem abnehmenden Neugeschäft (Q1: 0,0%). Ebenso zeigt die Entwicklung der Kreditvolumina nach unten. Kleine Kredite unter 10 Mio. Euro nehmen zu. Größere Finanzierungen über 50 Mio. Euro nehmen ab. JLL konstatiert zwar den desolaten Ist-Zustand, jedoch signalisiere die Umfrage eine fundamentale Zuversicht der Branche, so Helge Scheunemann, JLL-Head of Research. Die Daten seien sehr abhängig von geopolitischen Spannungen. Das sei beim schnellen Einbruch zu Kriegsbeginn erkennbar gewesen und nähre Hoffnung auf schnelle Besserung. Auch Professor Steffen Sebastian (IREBS) sieht den Irankrieg hauptsächlich verantwortlich.

Sven Jung vom Handelsblatt Research Institute ermittelt gleichzeitig eine deutliche Abnahme des Wettbewerbs der Finanzierungsinstitute untereinander um gute Finanzierungen. Das hört sich aus PLATOW-Sicht an, als hätten die Institute derzeit anderes zu tun. Gleichzeitig habe die Quote der NPLs zugenommen, so auch Jung.

Banken steuern Neugeschäft deutlich selektiver

BF.direkt sieht die Befunde des Quartalsbarometers deckungsgleich mit den Beobachtungen in der Praxis. Banken würden ihr Neugeschäft deutlich selektiver steuern, während sie parallel verstärkt mit Problemkrediten im Bestand beschäftigt seien. Weniger Bewegung habe es hingegen bei Loan-to-values (LTVs) bzw. Loan-to-Costs (LTCs) und Margen gegeben. Die Margen reichen von 135,0 Basispunkten (Wohnen) bis zu 184,3 Basispunkten (Logistik) im Bestand und von 252,7 Basispunkten (Wohnen) bis 301,1 Basispunkten (Büro) bei Projektentwicklungen. Die LTVs (Bestand) lagen über alle Nutzungsarten hinweg im Schnitt bei 64,2% und die LTCs (Projektentwicklung) bei 66,3%.