Wohninvestments drehen im zweiten Quartal auf
Internationale Investoren stocken kräftig auf, mittelgroße Pakete dominieren das Geschäft. Bei den Preisen aber hat PLATOW Zweifel – aus einem einfachen Grund.

Rund 4,1 bis 4,4 Mrd. Euro flossen im ersten Halbjahr 2026 in deutsche Wohninvestments – je nachdem, ob man Cushman & Wakefield (C&W), BNP Paribas Real Estate (BNPPRE) oder JLL fragt. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das im Kern Seitwärtsbewegung. Die Dynamik steckt im zweiten Quartal: Dort melden C&W und JLL Zuwächse von 25 bis 30 % gegenüber dem Vorjahr.
Die Spitzenrenditen bleiben für PLATOW ein Rätsel. C&W nennt 3,80% – die rd. 26-fache Jahresmiete. Ein Bestandsportfolio rechnet sich zu diesem Preis nur mit einer Wette auf deutlich steigende Mieten selbst in Topqualität. JLL meldet für die sieben größten Städte stabile Spitzenrenditen von 3,51%. BNPPRE sieht München und Berlin bei 3,50%. Frankfurt kam auf 3,55%, Hamburg auf 3,65%, Stuttgart auf 3,70%, Düsseldorf auf 3,75% und Köln auf 3,90%.
Megadeals rar, die Mitte macht den Markt
Gehandelt wird wieder mehr im Paket, aber in kleineren. Solche Portfoliodeals summierten sich laut C&W im zweiten Quartal auf 1,03 Mrd. Euro, mehr als doppelt so viel wie im ersten (450 Mio. Euro). Die ganz großen Abschlüsse bleiben dagegen rar: Transaktionen über 100 Mio. Euro kamen laut BNPPRE im ersten Halbjahr nur auf 34% Marktanteil, der niedrigste Wert seit zehn Jahren. JLL zählte lediglich acht Deals im dreistelligen Millionenbereich. Das Geschäft tragen die mittleren Größen: Deals bis 50 Mio. Euro erreichten bei BNPPRE 47% Marktanteil – der Zehnjahresdurchschnitt liegt bei 33%. Insgesamt registrierte JLL im ersten Halbjahr 129 Transaktionen mit 29.500 Wohneinheiten (Vj.: 31.000 WE).
Internationale Investoren kaufen wieder zu. C&W zählt im zweiten Quartal 893 Mio. Euro internationales Kapital – 40% des Gesamtvolumens und 428 Mio. Euro mehr als im Vorquartal. Nationale Käufer kamen auf 1,33 Mrd. Euro bzw. 60%. Bei JLL stehen ausländische Investoren für 45% der Käufe (1,91 Mrd. Euro), aber nur für rd. 14% der Verkäufe (580 Mio. Euro). Per Saldo bauten sie ihre Position um rd. 1,33 Mrd. Euro aus.
Gekauft wird vor allem professionell: Investment- und Asset-Manager führen bei BNPPRE mit 31% Marktanteil (rd. 1,3 Mrd. Euro) die Käuferliste an. Anders bei Forward-Deals, dem Kauf von Projekten vor Fertigstellung: Hier dominieren laut JLL kommunale und landeseigene Wohnungsgesellschaften mit rd. 57%. Das Entwicklungsrisiko tragen in diesem Segment damit überwiegend öffentliche Käufer.
Berlin vorn, aber die Musik spielt auch anderswo
Die Metropolen bleiben wichtig, dominieren aber nicht. Die A-Standorte kamen laut BNPPRE im ersten Halbjahr auf 38% Marktanteil – der Zehnjahresdurchschnitt liegt bei 46%. JLL misst eine ähnliche Größenordnung. Innerhalb der großen Städte ist Berlin die klare Nummer eins: knapp 600 Mio. Euro bei BNPPRE, fast das Doppelte des zweitplatzierten Düsseldorf. Abseits der Metropolen verweist C&W auf Aktivität in Frankfurt, Düsseldorf, Köln und Bonn sowie auf Portfolios in Norddeutschland.
Für das zweite Halbjahr erwarten alle drei Häuser mehr Bewegung. C&W setzt auf großvolumige Portfolios, Student- und Micro-Living-Projekte sowie Plattformdeals. BNPPRE sieht eine gut gefüllte Pipeline, mehr Value-add-Aktivität und die Rückkehr größerer Transaktionen. JLL rechnet ebenfalls mit großvolumigen Abschlüssen.