Die Fondsgesellschaft Kanam Grund kündigt die Abwicklung des offenen Immobilienfonds „Leading Cities Invest“ an. Es handelt sich in diesem Marktzyklus um die erste Abwicklung eines offenen Publikumsimmobilienfonds – in anderen Fällen haben Fondsgesellschaften die Rücknahme von Fondsanteilen ausgesetzt, nicht aber die Abwicklung erklärt. Damit steht ein ehemaliger Milliardenfonds vor dem Aus. Die Anleger bekommen, was übrig bleibt. Bereits mehrfach fiel die Gesellschaft mit Fondskrisen auf.

Rückblick: Bereits im November 2003 warnte PLATOW vor einem sportlichen offenen Immobilienfonds von Kanam, der die verschlafene Branche aufrütteln sollte. Dabei waren uns und auch dem Fondsjournalisten Stefan Loipfinger vor allem die Aspekte Einwertungsgewinne, Verschuldungsgrad und der Umgang mit latenten Steuern aufgefallen. Das Magazin „Capital“ rechnete damals vor, dass die drei im Rumpfgeschäftsjahr von Kanam erworbenen Objekte sofort nach Kauf um rund 20% aufgewertet worden seien. Bei weiterer Recherche stellten wir fest, dass diese Praxis auf niedrigerem Niveau eine anerkannte Methode der offenen Immobilienfonds war, um die Erwerbsnebenkosten auszugleichen. Nach den folgenden Auseinandersetzungen stellte die Branche diese Gewohnheit offenbar ein.

Finanzkrise führte zur Abwicklung

Bereits im darauffolgenden Jahr 2004 musste Kanam infolge der ersten Schließung eines Fonds durch die Deutsche Bank auch den eigenen Fonds „Grundinvest“ vorübergehend schließen. Zum Höhepunkt der Finanzkrise im Oktober 2008 gab Kanam dann die Schließung des „Grundinvest“ und eines weiteren Fonds bekannt – später folgte die Abwicklung. Damals schlossen auch viele weitere Fonds in der Branche. Der Fairness halber muss angemerkt werden, dass die immobilienwirtschaftliche Abwicklung professionell war.

Seither gewann Kanam Vertrauen zurück. Mit dem nächsten Versuch, dem jetzt abzuwickelnden „Leading Cities Invest“, erzielte Kanam gute Ratingnoten der Analysegesellschaft Scope. Die Nachfrage war so hoch, dass die Gesellschaft den Mittelzufluss zwischenzeitlich stoppte. Das Gedächtnis war offenbar kurz.

Doch mit der Zinswende ging es bergab. Die erste Abwertung von gut einem Zehntel erschien konsequent, da schon allein der Effekt aus steigenden Zinsen eine Wertkorrektur nach sich ziehen musste. Inzwischen sind die Wertverluste deutlich höher. Der deutsche Fondsverband BVI weist auf Sicht von drei Jahren einen Wertverlust von 43,9% aus. Nach einer Analyse der „Immobilien-Zeitung“ erzielte der Fonds mit dem Verkauf von 21 Objekten insgesamt 303,7 Mio. Euro, während die Ankaufpreise ursprünglich bei 426,7 Mio. Euro lagen.

Auch andere Fonds in der Misere

Doch eine Hiobsbotschaft kommt selten allein: Am Mittwoch gab Habona Invest bekannt, den „Nahversorgungsfonds Deutschland“ einzufrieren. Die Gesellschaft nimmt keine Fondsanteile mehr zurück, wickelt das Produkt aber anders als Kanam nicht ab. Auch andere Fonds haben die Rückgabe bereits ausgesetzt.