Nach brandaktueller BVI-Halbjahres-Berichterstattung flossen aus Immobilienfonds netto 3,3 Mrd. Euro ab. Nach Abflüssen von 1,8 Mrd. Euro im ersten Quartal zogen Anleger im zweiten Quartal 1,5 Mrd. Euro ab. Anleger, die ihre Immobilienfonds nach dem 21. Juli 2013 gekauft haben, müssen vor der Rückgabe eine zwölfmonatige Kündigungsfrist einhalten. Insofern dürfte bereits bekannt sein, dass sich die Entwicklung noch fortsetzen wird. Denn wenn die Kündigungen ausgesetzt hätten, wäre dies sicherlich längst gemeldet worden.

Existenzielle Probleme, die manche Medien sehen, erwartet PLATOW nicht. Zudem halten wir die Offenen Immobilienfonds für diversifizierte Kleinanleger mit geringem Risikobewusstsein für eine sinnvollere Anlage als Immobilienaktien, die bei falschem bzw. prozyklischem Timing leicht 50 bis 95% Kurswert verloren haben oder sogar mit den Folgen einer Insolvenz leben müssen. Andererseits ist es derzeit nicht einfach, Argumente für einen Einstieg zu finden. Das dürften auch Vertriebsbanker so sehen.

Bewertungen bleiben weitgehend stabil

Während die Kapitalwerte von Büro- und Handelsimmobilien, den Schwerpunkten der traditionellen OIF, in den Maklerstatistiken leicht um 20 bis über 30% abrauschten, blieben die Bewertungen der OIF sehr oft konstant. Sicherlich dürften die BIIS-Bewerter viele Auswüchse des zinsinduzierten Booms nicht mitgemacht haben. Dennoch verunsichern die aktuellen Risikofaktoren aus Geopolitik, Zins, Inflation, Wirtschaft und Konjunktur sowie aus den Langzeitwirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Nutzernachfrage bei gleichzeitiger Konstanz der Bewertungen und gerichtlichen Auseinandersetzungen über die Risikoeinschätzungen auch die PLATOW-Analyse.

Insgesamt sieht die BVI-Halbjahresbilanz dennoch positiv aus. Zur Jahresmitte verwalteten die Fondsgesellschaften für Anleger in Deutschland knapp 5.200 Mrd. Euro. Das sind 348 Mrd. Euro bzw. 7% mehr als zu Jahresanfang. Zu diesem Anstieg haben Netto-Zuflüsse in Publikumsfonds- und Spezialfonds von rund 80 Mrd. Euro beigetragen. Vom verwalteten Gesamtvermögen entfallen 2.409 Mrd. Euro auf offene Spezialfonds. Hier sind Altersvorsorgeeinrichtungen mit 851 Mrd. Euro und Versicherer mit 560 Mrd. Euro die größten Anlegergruppen. Allerdings habe die traditionell starke institutionelle Prägung des deutschen Marktes in den vergangenen Jahren abgenommen, so der BVI. Das in Publikumsfonds verwaltete Vermögen hat sich dem Vermögen der Spezialfonds immer stärker angenähert. Belief sich die Differenz vor fünf Jahren noch auf über 700 Mrd. Euro, beträgt sie inzwischen nur noch 360 Mrd. Euro.