Anwaltskanzleien zahlen höhere Büromieten
Die großen Wirtschaftskanzleien greifen für ihre Bürostandorte tief in die Tasche, zahlen dabei in den Top 7-Städten sogar über Marktniveau. Wo die Aufschläge am höchsten sind.

Die großen Rechtsanwaltskanzleien zählen laut aktueller JLL-Recherche zu den am besten zahlenden Mietern auf dem deutschen Büroimmobilienmarkt. Sie gehörten gleichzeitig auch zu den anspruchsvollsten Nutzern. Gemeint dürften aber lediglich die großen Kanzleien in den Metropolen sein, die durch Homeoffice, New Work und Image-Anforderungen für kleinere Flächen höhere Budgets haben. Dadurch geht der Trend für Berater zurück in die Innenstädte, wie die KPMG-Anmietungen im „OpernTurm“ und im „Park Tower“ für die Wirtschaftsprüfer beispielhaft belegen.
Der Fokus der Anwaltskanzleien liege auf sehr guten Lagen und modernen, qualitativ hochwertigen Flächen. JLL hat das Anmietungsverhalten in den sieben Metropolen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart untersucht und mit gezielten Befragungen ausgewählter Kanzleien angereichert.

In allen sieben Märkten liegen die von Rechtsanwaltskanzleien gezahlten Durchschnittsmieten demnach über dem jeweiligen branchenübergreifenden Marktniveau. Die Aufschläge reichen von 10% in Köln bis zu 55% in München. Auch Düsseldorf (plus 54%) und Frankfurt (plus 49%) verzeichnen deutlich überdurchschnittliche Mietniveaus für Kanzleiflächen, während diese in Berlin (plus 16%) und Hamburg (plus 28%) etwas moderater ausfallen.
Standortverlagerungen in die „historische Mitte“
Führende Kanzleien verlagern ihre Standorte systematisch in die historischen Geschäftszentren der sieben Metropolen, so JLL. Treiber der Entwicklung sei der Wandel des Büros vom reinen Arbeitsplatz zum „Erlebnisraum“. Das Büro müsse heute die Dinge anbieten, die Homeoffice nicht könne, erklärt Vermietungschef Miguel Rodriguez Thielen. Dazu gehörten fachlicher Austausch, Kultur oder eben Innenstadtvorteile, die reine Bürolagen nicht bieten könnten.
In Düsseldorf gab es beispielsweise Umzüge vom Seestern oder von Grafenberg-Ost in die Innenstadt oder an den Kennedydamm. In Frankfurt verlief die Bewegung von Randlagen wie Sachsenhausen oder Nord/Ost in den CBD, in Hamburg von Eimsbüttel oder Altona-Ottensen-Bahrenfeld in die HafenCity und die Innenstadt. Ähnliche Muster zeigen sich in München (von Bogenhausen und Arabellapark ins Westend), Köln (von Ehrenfeld/Braunsfeld ins Rheinufer-West) und Stuttgart (von Feuerbach und Vaihingen-Möhringen in den CBD).
Für die größten Abschlüsse sorgten in den vergangenen drei Jahren Freshfields an der Königsallee in Düsseldorf (10.500 qm), White & Case in Frankfurt (10.100 qm) sowie Hengeler Mueller, ebenfalls an der Düsseldorfer Königsallee (9.600 qm). Auch international agierende Kanzleien wie Milbank, Jones Day und Herbert Smith Freehills haben sich in den vergangenen Jahren neue Flächen in zentralen Innenstadtlagen gesichert.