Zuversicht für europäische Core-Immobilien: Der Markt könnte vor einer wachstumsgetriebenen Erholung stehen, erwartet Justin Curlow, Global Head of Research & Strategy bei BNP Paribas Asset Management. Zwar hielten der Nahostkonflikt, höhere Energiepreise und erneute Inflationsrisiken die Zinsen länger hoch und verzögerten die Erholung der Kapitalwerte, jedoch rücke als neuer Faktor Europas Streben nach größerer Eigenständigkeit in den Fokus. Europa investiere verstärkt in seine Verteidigungs- und Energieinfrastruktur, um seine Souveränität zu stärken. Dies werde einen erheblichen zusätzlichen Flächenbedarf an den Immobilienmärkten erzeugen, sagt Curlow. Gleichzeitig blieben die Fundamentaldaten in allen wichtigen europäischen Immobiliensektoren robust. Besonders bei gut gelegenen, hochwertig ausgestatteten und zertifizierten Flächen sei der Leerstand extrem niedrig. Die Nutzernachfrage ziehe hier spürbar an.


Erholung ist ertragsgetrieben

Als die wichtigsten Kernpunkte sieht die BNPPAM ein ertragsgetriebenes Wachstum, eine attraktive relative Bewertung und eine breitere Erholung. Die nächste Phase der Erholung werde überwiegend ertragsgetrieben sein, prognostiziert Curlow. Die Kapitalwerte europäischer Immobilien hätten sich stabilisiert. In den stärksten Sektoren stiegen sie bereits wieder. Diese Zuwächse kämen durch steigende operative Nettoerträge und Marktmieten zustande und nicht durch Renditekompression. Kontinentaleuropa bleibe im Rahmen einer attraktiven relativen Bewertung im Vorteil. Erstklassige Immobilien böten sektorübergreifend Transaktionsrenditen von rund 5%. Damit sind wir wieder bei den von PLATOW schon 2022 als zu erwartender Eckwert nach der Zinswende vorgerechneten Renditen bzw. Multiplikatoren von 20 bei Topimmobilien. Vor allem bei Logistik und Einzelhandel seien die Renditeaufschläge im internationalen Vergleich attraktiv, da der europäische Markt deutlich schneller korrigiert habe als der US-Markt.

Europas Immobilien-Transaktionsvolumen steigt im Q2 um 6% auf 53 Mrd. Euro

Nach vorläufigen Zahlen von Savills stieg das Transaktionsvolumen in Europa im Q2 2026 um 6% auf rund 53 Mrd. Euro. Besonders dynamisch entwickelten sich Polen (+95%) und Finnland (+94%). Unter den größeren Immobilienmärkten Europas verzeichneten Schweden (+68% auf 12,8 Mrd. Euro) und Spanien (+56% auf 12,2 Mrd. Euro) die stärksten Zuwächse. Demgegenüber brach der britische Markt um rund 22% ein. Für Karsten Nemecek, Deputy CEO Germany, zeigt der europäische Immobilieninvestmentmarkt ein uneinheitliches Bild. In diesem Umfeld präsentiere sich Deutschland vergleichsweise stabil. Zwar führe Geopolitik und Konjunktur zu Zurückhaltung, jedoch könnte das zunehmende Angebot und der Pragmatismus auf Verkäuferseite perspektivisch für mehr Abschlüsse sorgen.

Investoren konzentrieren sich nach Einschätzung von Savills weiterhin auf Nutzungsarten mit stabilen Fundamentaldaten und resilienter Nachfrage. Besonders gefragt bleiben dabei die sogenannten Living-Sektoren. Dazu zählen klassische Mietwohnungen, studentisches Wohnen, Pflegeimmobilien sowie Seniorenwohnen. Zusammen entfallen auf diese Segmente inzwischen nahezu 30% des gesamten europäischen Immobilien-Transaktionsvolumens.