Hotels – Investoren bleiben trotz sinkender Umsätze interessiert
Trotz schwierigem Marktumfeld setzen vor allem internationale Investoren weiter auf den deutschen Hotelmarkt. Geändert hat sich dagegen die strategische Positionierung der Kapitelgeber.

Bei der Zahlenanalyse der großen Hotelresearcher ergeben sich diesmal deutlich Unterschiede. Das könnte allerdings auch an Definitionen liegen. JLL berücksichtigt Einzeltransaktionen erst ab einem Volumen von 5 Mio. Euro und bezieht deutsche Hotels aus grenzüberschreitenden Portfolios ein. Savills rechnet Hotels innerhalb gemischt genutzter Quartiere nicht dem Hoteltransaktionsvolumen, sondern den Mischobjekten zu. Dies dürfte zumindest einen Teil der Abweichungen erklären. Das Research von CBRE ermittelt für den deutschen Hotelinvestmentmarkt für das erste Halbjahr 2026 ein Investitionsvolumen von 720,9 Mio. Euro. Das läge 23,8% unter dem Vorjahreswert. Im 5-Jahres-Vergleich bewege sich der Markt jedoch weiterhin auf einem soliden Niveau. Zudem habe es im Vorjahr Großtransaktionen gegeben, die in diesem Jahr vernachlässigbar seien. BNPPRE errechnet 790 Mio. Euro mit -4% annähernd auf Vorjahresniveau und JLL sieht bei 741 Mio. Euro ein Minus von -18%. Savills erfasst dagegen nur 572 Mio. Euro mit einem Totaleinbruch von -45%.

Die gemeinsamen Kernaussagen sehen den deutschen Hotelinvestmentmarkt trotz des schwierigen Umfelds und überwiegend rückläufiger Umsätze grundsätzlich aktiv. Gestützt werde das Investoreninteresse durch robuste operative Kennzahlen, eine positive Übernachtungsentwicklung und die Attraktivität leistungsfähiger Hotelstandorte. Internationale Käufer nähmen zunehmend eine wesentliche Rolle ein. JLL und BNPPRE beziffern ihren Anteil sogar auf mehr als die Hälfte des Transaktionsvolumens. Investoren suchten verstärkt Objekte mit Wertsteigerungs-, Repositionierungs- oder Konversionspotenzial. Reine Bestandsinvestments ohne aktive Managementstrategie stünden weniger im Vordergrund. Neben institutionellen Investoren und Fonds würden Family-Offices, Privatinvestoren, Betreiber und internationale Eigennutzer auftreten.
Mehr Abschlüsse
Deutlich mehr Abschlüsse als im Vorjahreszeitraum unterstreichen laut CBRE das anhaltende Investoreninteresse. Derzeit konzentriere sich das Geschehen vor allem auf kleinere Transaktionen und Standorte außerhalb der etablierten Investmentzentren. Die Bruttospitzenrendite erhöhte sich im CBRE-Zahlenwerk vor dem Hintergrund der Entwicklungen an den Kapitalmärkten im Q2 leicht um 0,15%-Punkte auf 5,25%.
Die abnehmende Dynamik resultiere aus geopolitischen Unsicherheiten. Prozesse würden später abgeschlossen. Neue Transaktionen würden zurückhaltender angestoßen, erläutert Helena Rickmers, Head of Hotel Investment bei CBRE. Laut CBRE European Hotel Investor Intentions Survey 2026 plant die überwiegende Mehrheit der befragten Investoren, ihre Allokation im Hotelsektor beizubehalten oder sogar auszubauen. Das Marktgeschehen konzentriere sich jedoch auf Investoren, die durch Repositionierungen und aktives Asset Management zusätzliche Wertschöpfung realisieren wollen. Entsprechend wechsele der Großteil der Hotels betreiberfrei den Eigentümer. Außerhalb des Prime-Segments führe dies zu einer stärkeren Rendite-Differenzierung nach Lage, Objektqualität und Risikoprofil.
Robuste Fundamentaldaten
Die operativen Fundamentaldaten des deutschen Hotelmarktes entwickeln sich weiterhin positiv. Im Jahr 2025 verzeichnete Deutschland laut Union Investment mit 497,5 Mio. Gästeübernachtungen erneut einen Übernachtungsrekord. Getragen wurde diese positive Entwicklung wie schon im Vorjahr von einer robusten touristischen Nachfrage. Vor diesem Hintergrund habe sich auch der Hotelinvestmentmarkt weiter stabilisiert. Auch zum Jahresbeginn 2026 entwickelte sich Union Investment zufolge die Übernachtungsnachfrage weiter moderat positiv. Insbesondere die Inlandsnachfrage sei angestiegen, während die Auslandsnachfrage nur geringfügig zulegte.