Die alte PLATOW-These der Zinswende, dass es mehr Menschen gäbe, die sich Zinsen mit einer „1“ leisten können als Käufer, die sich Zinsen mit einer „4“ leisten können, manifestiert sich in Zahlen. Bislang hatten Statistiken eher Stabilität signalisiert. Anders als auf dem Mietmarkt werden laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) auf dem Kaufmarkt bundesweit nahezu doppelt so viele Eigentumswohnungen und rund 140% mehr Ein- und Zweifamilienhäuser inseriert als Anfang 2022. Das liege nicht daran, dass mehr gebaut werde. Höhere Finanzierungskosten verkleinerten den Kreis der Käufer und verlängern die Vermarktungszeiten, so IW. Die Objekte schaffen es häufiger in die Portale und verbleiben dort auch länger. In der Folge stagnieren die Kaufpreise mit einem Plaus von nur noch 0,8% gegen Vorjahr. Der Aspekt der Positivauslese der gemachten Deals mit naturgemäß zahlungskräftigeren Käufern bei wahrscheinlich auch besseren Immobilien führt aber dazu, dass Bankenstatistiken oft auf weiter steigende Kaufpreise verweisen.

Demgegenüber prägen laut IW in den deutschen Großstädten steigende Mieten weiterhin den deutschen Immobilienmarkt. Die Angebotsmieten stiegen bundesweit um 4% weiter deutlich. Besonders stark zogen die Mieten in Köln an (+7,9%), gefolgt von Hamburg (+5,5%) und Leipzig (+5,4%). Damit stiegen die Mieten deutlich schneller als die Inflation (2,6%). Auf dem Mietmarkt fehlen die Angebote.

Bundesweit werden noch immer knapp 12% weniger Mietwohnungen inseriert als Anfang 2022. In einzelnen Großstädten ist der Einbruch weit dramatischer. In Hamburg hat sich das Mietangebot mit minus 57% mehr als halbiert. In Frankfurt am Main gibt es 43% weniger Inserate und in Leipzig 40%. Einzige Ausnahme ist Berlin mit einem Plus von 43% gegenüber 2022. Dieser Anstieg fällt aber nur deshalb so hoch aus, weil der Mietendeckel das Angebot zuvor drastisch abgewürgt hatte. Allein im ersten Quartal nach seiner Einführung war das Angebot in der Hauptstadt um 39% zurückgegangen.

Sich selbst verstärkender Effekt

Der Mieteffekt verstärkt sich selbst. Bei hohen Neuvertragsmieten bleiben Haushalte länger in ihren Wohnungen. Immer weniger Immobilien werden frei. Konsequenz ist weiter, dass viele Menschen verbleiben in Wohnungen, die nicht zu ihrer Lebenssituation passen. Auf dem Mietmarkt fehle nicht nur Neubau, sondern auch Bewegung im Bestand, sagt IW-Immobilienökonom Pekka Sagner.