An aktiven Bewältigungsstrategien für Distressed Assets führt kein Weg mehr vorbei – Die Fälligkeitswelle und die generellen aktuellen Rahmenbedingungen drücken lt. aktueller Bankenbefragung von EY-Parthenon bei allen Assetklassen auf Stimmung. PLATOW hatte seit langem auf die Bedeutung von Hunderten von Stillhaltevereinbarungen hingewiesen, die bei inzwischen zementierter Bewertungslücke zu immer höheren Eigenkapitalunterlegungen bei Banken führt. Auch der Wohnungsneubau verliere an Attraktivität, stellt EY fest. Die Finanzierungskosten hätten mit der Sperrung der Straße von Hormus wieder sprunghaft an Bedeutung für den Immobilienmarkt zugenommen. Ende Februar sahen nur noch 40% der Institute steigende Finanzierungskosten als Herausforderung für den Immobilienmarkt. Inzwischen sprang dieser Anteil auf über 90%. Der Beginn des Nahostkonflikts und die Blockade der Straße von Hormus fielen unmittelbar in den Befragungszeitraum.

Der Markt läuft gegen eine Maturity Wall bzw. Fälligkeitswelle. Bei rund der Hälfte der Institute liegt der Anteil der Refinanzierungsvolumina laut EY-Panthenon bei über 40%. Die NPL-Quote (Non Performing Loans bzw. notleidende Kredite) hat sich am deutschen Immobilienmarkt seit 2022 von 1,5% auf zuletzt fast 5% mehr als verdreifacht. Das Prinzip „Abwarten und Hoffen“ gerate jetzt bei bereits zuvor notleidenden Immobilien endgültig an seine Grenzen, sagt EY-Partner Jean-Pierre Rudel. Es sei jetzt unverzichtbar, Refinanzierungsrisiken zu begrenzen, bilanzielle Belastungen zu kontrollieren und die aktuellen Marktphase tragfähig zu bewältigen.

Verlängerung und Anpassung bestehender Finanzierungen im Fokus

Der Blick auf eine mögliche Erholung des Immobilienmarktes bleibe trüb. Rund die Hälfte der Befragten geht in diesem Jahr von einer eher negativen Entwicklung aus. Die andere Hälfte hofft auf eine Seitwärtsbewegung. Eine erkennbare Trendwende wird erst ab dem Jahr 2029 erwartet. Dennoch bleibt „Amend & Extend“, also die Verlängerung und Anpassung bestehender Finanzierungen, bleibt die am häufigsten angewendete Strategie für Distressed Assets. Das gäben lt. EY 80% der Kreditinstitute an. Aus PLATOW-Sicht widerspricht das Hoffnungsprinzip allerdings den bankwirtschaftlichen Notwendigkeiten.

Aktive Bewältigungsstrategien gewinnen jedoch allmählich an Bedeutung, so EY-Partner Rudel. Rettungserwerbe und Plattformlösungen mit Beteiligung der Kreditinstitute werden zunehmend als wichtige Restrukturierungsstrategien wahrgenommen. Dieser Trend aus dem Vorjahr zeigt nun mit einer Verdoppelung von 10 auf 20% eine klarere Ausprägung. Regulatorische Anforderungen (70%), ein ungünstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis (63%) sowie fehlende immobilienspezifische Kompetenzen (57%) stellen für die befragten Kreditinstitute die größten Hürden für eine aktive Problemlösung dar. Auch 2026 bleibt das Insolvenzrisiko merklich hoch. Das Risikoempfinden der Immobilienfinanzierer zeige aber laut Befragung erste Entspannungssignale, die allerdings weniger eine nachhaltige Erholung signalisierte als vielmehr eine Normalisierung der Erwartungen.

Investitionsbereitschaft nimmt spürbar ab

Banken sehen insbesondere Büro- und Einzelhandelsimmobilien weiterhin spürbar unter Druck. Strukturelle Veränderungen in Nachfrage und Nutzung setzten sich fort. Das Wohnsegment zeige sich im Vergleich stabiler. Die hohe strukturelle Nachfrage stütze hier das Bewertungsniveau. Allerdings bremsten steigende Kosten und regulatorische Anforderungen bei Wohnen das Wachstum. Im Retail- bzw. Privatkundensegment stehen aus Sicht der Kreditinstitute die Kombination aus hohem Zinsniveau (70%) und anhaltend hohen Baukosten (60%) als Herausforderungen im Vordergrund. Die Nachfrage verlagere sich stärker in Richtung Bestandsimmobilien. Der Neubau verliere weiter an Attraktivität. Institutionelle Investoren sehen sich hingegen vor allem durch hohe Baukosten (70%) sowie zunehmende regulatorische Anforderungen (63%) gebremst. Insbesondere langfristige Kalkulationsunsicherheiten und begrenzte Mietsteigerungsspielräume wirkten dämpfend auf die Investitionsbereitschaft. Die zunehmende Politisierung des Wohnsegments und der damit einhergehende Verlust an stabilen Rahmenbedingungen störten die Investitionsbereitschaft von Kapitalgebern empfindlich, so EY.