Wie die Pleite von 12.18. Investment Management den Berliner Zahnärzten zusetzt
Mit der Insolvenz von 12.18. Investment Management setzt sich die Pleitewelle in der Anleihefinanzierung fort. Das bringt auch das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin in Bedrängnis.

Das Anleihedesaster im Umfeld von Branicks setzt sich fort. Vor einigen Wochen kündigte Helaba Invest eine Anleihe über 10,5 Mio. Euro an die TTL Beteiligungs- und Grundbesitz-AG, dem wichtigsten Branicks-Gesellschafter, die ursprünglich mit 1,25 Mio. Branicks-Aktien im Wert von damals über 19 Mio. Euro besichert war. Nach dem totalen Kursabbruch musste die Sicherheit um weitere 1,25 Mio. Branicks-Aktien verdoppelt werden. Bei einem Kurs von 80 Cent für Branicks liegt der aktuelle Börsenwert der 2,5 Mio. Aktien bei ca. 2 Mio. Euro.
Die TTL ist über eine komplexe Konstruktion Gerhard Schmidt zuzurechnen, der neben Klaus-Jürgen Sontowski zu den Gründern der DIC Gruppe, aus der Branicks (vormals DIC Asset) hervorging, gehörte. Unabhängig von der reinen Börsenbetrachtung des Sicherheitenwertes ist im Zusammenhang mit der PLATOW-Überlegung, dass Branicks nach Verlagerung aller Sicherheiten in Richtung der Anleihegläubiger dem traurigen Vorbild der IVG folgen könnte, zu überlegen, ob die traditionell gut informierte Helaba Invest auch keine Chancen für die Aktie mehr sieht und wenigstens noch retten will, was zu retten ist, so lange die Aktien noch Wert haben und noch übriges Vermögen bei der TTL vorhanden ist, auf das vielleicht noch Zugriff besteht.
Die Restrukturierung der Branicks verschiebt den Zugriff auf die wesentlichen Vermögenswerte von den Aktionären in Richtung der Gläubiger. Immobilien sollen verkauft werden. In der Gleichung für die Aktionäre: Zerschlagungswert = Asset Value – Bankschulden – besicherte Gläubiger – New Money der Restrukturierung – Gebühren – Restrukturierungskosten kann ganz leicht eine Null herauskommen. Selbst ohne Insolvenz bleibt da ein Pennystock. Vielleicht ist der aber wieder interessant.
12.18. Investment Management meldet Insolvenz in Eigenverwaltung an
Diese Woche hat es einen weiteren prominenten Namen getroffen. 12.18. Investment Management stellt sich im Rahmen eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung neu auf. Rechtsanwalt Jens M. Schmidt wird als vorläufiger Sachwalter bestellt. Die 12.18. Gruppe ist Gründer Jörg Lindner aus der Hotel-Unternehmerfamilie Lindner zuzurechnen. Inzwischen dürfte aber das Skandal-Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) das Sagen haben. Ziel der Eigenverwaltung sei es, die wirtschaftlichen und finanziellen Strukturen der Gesellschaft zu überprüfen, neu zu ordnen und eine tragfähige Grundlage für die weitere Entwicklung zu schaffen. Der Antrag auf Eigenverwaltung betrifft ausschließlich die 12.18. Investment Management GmbH, die derzeit fünf Mitarbeitende beschäftigt. Die weiteren Gesellschaften der 12.18.-Gruppe sind rechtlich eigenständige Unternehmen und nicht Gegenstand des Verfahrens und werden regulär fortgeführt.
Das hört sich zunächst recht harmlos an. Insbesondere wenn der Blick sich auf klangvolle Hotelnamen der Beteiligungen richtet. Gleichzeitig ist das Know how von Lindner in Bezug auf Hotels unbestritten. Andererseits schützt das nicht vor den Folgen von Corona, Zinswende, Kosteneffekten und Bewertungsanpassungen. Die Pressenotiz verweist darauf, dass es in einem insgesamt sehr schwierigen Marktumfeld nicht mehr möglich gewesen sei, die für einen unveränderten Geschäftsbetrieb erforderliche Liquidität rechtzeitig aus Teilverkäufen zu realisieren. Ziel sei der bestmögliche Erhalt vorhandener Werte, erklärt Geschäftsführer Uwe Drangmeister. Der Geschäftsbetrieb werde wie gewohnt fortgeführt. Zum Beteiligungsportfolio gehören bzw. gehörten u.a. Aktivitäten und Gesellschaften in Ibiza, Sardinien, Roxburghe, Sylt und Teneriffa.
Die Rolle des VZB
Für die Berliner Zahnärzte ist das aber eine neue Hiobsbotschaft. Das bereits skandalträchtige Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) dürfte Risiken weit über die offizielle Beteiligung hinaus tragen und sich in „gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen“-Rettungsbemühungen verfangen haben. 12.18. wies schon längere Zeit Verluste aus. Kreditgeber zogen sich aus den Beteiligungen zurück, das VZB sprang ein.
Wie wichtig das 12.18.-Engagement ist, wird daraus deutlich, dass das VZB wohl bereits die Hälfte seines Anlagevermögens von gut 2,2 Mrd. Euro anderweitig schon verspielt hat. Darum kümmern sich schon Gerichte. Inwieweit 12.18. dazu kommt, ist noch offen. Auf jeden Fall könnten da ein paar Hundert Millionen Euro noch neu ins Feuer gekommen sein. Über das VZB hat die Presse schon länger berichtet. Der Blick auf 12.18. macht die Methode deutlich, die Fragen weit über Berlin hinaus aufwirft.
Die Nullzinsphase scheint viele Versorgungswerke wie auch Volksbanken in die Verzweiflung getrieben zu haben. Prominent war der US-Immobilienskandal der BVK/Deutsche Finance. In Deutschland war uns die BVK in der Niedrigzinsphase als aktiver Käufer von prominenten, aber älteren deutschen Immobilien bzw. Türmen aufgefallen, was „eigentlich“ nicht gut gehen kann, aber wohl still abgewickelt werden kann. Es ist wohl noch offen, was sonst noch in Versorgungskammern schlummert.
Für die Zahnärzte ist aktuell lästig, dass es keine gesetzlichen oder berufsständischen Sicherungsfonds gibt. Das Geld der Versicherten ist weg. Bei dem VZB als offizieller Gesellschafter von 12.18. mit 24% ist wohl ein 200 Mio. Engagement, davon ca. 86 Mio. Euro unstrittig. Faktisch dürfte das VZB inzwischen das Sagen haben. VZB war nicht nur Investor, sondern auch Finanzierer. Das VZB selber hat inzwischen die Notbremse gezogen. Kompletter Vorstand und Aufsichtsrat sind suspendiert. Eine unabhängige Untersuchung wird angeordnet.
Das klassische Verzweiflungsmuster der vergangenen Jahre ist deutlich. Zunächst beteiligte sich das VZB gemeinsam mit anderen Versorgungswerken und klassischer Bankfinanzierung an den Projekten der 12.18.-Profis und deren zweifelloser Hotel-Kompetenz. Nachdem die Co-Investoren, Banken und auch der PE-Investor Apollo sukzessive absprangen, übernahm das VZB immer mehr der ausstehenden Kredite und Beteiligungen. Damit wurde das VZB Gesellschafter und Kreditgeber und dürfte inzwischen fast alle Risiken aus 12.18. in die Bilanz genommen haben. Wieviel am Ende nach Verwertung der Beteiligungen verschwindet, ist offen. Positiv ist sicherlich die Professionalität von 12.18., die Qualität der Objekte und des Managements und eben, dass auch die Senior Loans dem VZB zuzurechnen sind. Aber spürbar dreistellig könnte es schon werden.